Mit der Brückl-Fibel zurück in die Kindertage

Eines der erfolgreichsten Grundschulbücher der vergangenen 80 Jahre rückt vom 15. August bis 30. September 2026 in Lohr a. Main in den Blickpunkt. Das städtische Schulmuseum widmet der Fibel von Hans Brückl eine Sonderausstellung.

„Mein erstes Buch zum Anschauen, Zeichnen, Lesen und Schreiben“ lautet der Titel der Brückl-Fibel. Diese war eines der ersten Bücher nach dem Zweiten Weltkrieg, das in der amerikanischen Besatzungszone an den Schulen verwendet werden durfte. 1949 entfiel die vorgeschriebene Genehmigung durch die US-Militärregierung. Die Brückl-Fibel gab es weiter bis 1969 in insgesamt 17 Auflagen mit geringfügigen Ergänzungen. Sie war eine der am längsten verwendeten Unterrichtshilfen.

Was diese Fibel so interessant macht, ist ihr ländlicher Bezug. Die Themen sind vor allem auf die Jahreszeiten abgestimmt und die Texte entsprechend farbig illustriert. Zusätzlich fällt die religiöse Einbindung auf. An verschiedenen Stellen werden die Kinder an ihre täglichen Gebete erinnert, so zum Beispiel an das Morgengebet:

„O Gott vorüber ist die Nacht,
gesund und froh bin ich erwacht.
Behüte mich auch diesen Tag,
daß mir kein Leid geschehen mag.“

Doppelseiten aus der Fibel „Mein erstes Buch zum Anschauen, Zeichnen, Lesen und Schreiben“ von Hans Brückl, Bayerischer Schulbuch Verlag und Oldenbourg Verlag, München, 1948.
Doppelseiten aus der Fibel „Mein erstes Buch zum Anschauen, Zeichnen, Lesen und Schreiben“ von Hans Brückl, Bayerischer Schulbuch Verlag und Oldenbourg Verlag, München, 1948.

Die Ausstellung im Eingangbereich des Lohrer Schulmuseums erinnert mit Auszügen aus der Brückl-Fibel von 1948 an eine Lebensepoche, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Aus den ehemaligen Bauerndörfern sind oft Wohnsiedlungen ohne eigene Lebensmittelversorgung geworden.

Museumsleiter Eduard Stenger sagt: „Ich blättere gern in meiner Brückl-Fibel aus dem ersten Jahr in der Halsbacher Dorfschule. Viele Erinnerungen sind damit verbunden. Und ich denke, es war eine schöne Zeit.“


Das Lohrer Schulmuseum im Stadtteill Sendelbach in der Sendelbacher Straße 21 ist von Mittwoch bis Sonntag und an allen gesetzlichen Feiertagen jeweils von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Gruppen können nach vorheriger Absprache auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten das Museum besuchen. Kontakt: Eduard Stenger, Zum Sommerhof 20, 97816 Lohr a. Main; Telefon: 09352 4960 oder 09359 317 oder 09352 848-465; E-Mail: eduard.stenger@gmx.net.



Text: bs/es; Repros: Inge und Udo Kleinfelder

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