Der Kartoffelkönig an der Sackenbacher Grundschule

Die Kartoffel sichert die Volksernährung. | Repro: E. Stenger


Zum Tag der Kartoffel am 19. August ist es angebracht, sich darüber Gedanken zu machen, wie diese tolle Knolle sich im Bewusstsein der heimischen Bevölkerung festsetzen konnte. Die Prägung der jungen Menschen in der Schule gilt dabei als ganz wesentlich.

Von Eduard Stenger

Über Jahrhunderte hinweg spielte die Kartoffel im Unterricht der Volksschule eine große Rolle. 1781 gab der brandenburgische Landadelige Eberhard von Rochow als Schulpatron seiner Güter und Dörfer das erste weltliche Lesebuch heraus. Rochows „Kinderfreund“ war das erste Schulbuch, in dem die Kartoffel Erwähnung fand. In dem Text „Von Nahrungsmitteln“ wurde sie detailliert beschrieben. Von da an war sie stets präsent in den Lese- und Sachbüchern der Schulen.

Viele Hände waren gefragt bei der Kartoffelernte. | Repro: E. Stenger
Viele Hände waren gefragt bei der Kartoffelernte. | Repro: E. Stenger

Unterrichtsmaterial zuhauf

Mit den Schulreformen ab den 1960er-Jahren begann das Interesse an der Kartoffel abzunehmen. Umso erstaunlicher ist, dass es in jüngster Zeit wieder auflebt. Im Bildungsserver „//Lernarchiv Grundschule Sachunterricht“ des Bundeslandes Hessen werden ein Lernzirkel zum Thema Kartoffel mit 44 Seiten, außerdem Unterrichtseinheiten und Anregungen angeboten. Im Rahmen eines EU-Schulobstprogramms stellt Nordrhein-Westfalen ausführliche Informationen über die Kartoffel bereit; unter anderem kann ein Film mit dem Titel „Kartoffel – Geheimtipp aus Peru“ abgerufen werden. Die Lehrkräfte könnten aus dem Vollen schöpfen …

Beliebt war auch immer der Kartoffeldruck im Kunstunterricht. Manche Eltern protestierten jedoch; angesichts hungernder Kinder in der Welt solle man ein so wichtiges Lebensmittel nicht für schnöde Basteleien missbrauchen. Den Kindern hat es hingegen meist Spaß gemacht, und sie entwickelten dank der Kartoffel ihre Kreativität und lernten eine Drucktechnik kennen.

Ein besonderer Bezug zur Kartoffel bestand an der Sackenbacher Grundschule durch den als bayerischer Kartoffelkönig bekannt gewordenen Klassenlehrer und Schulleiter Eduard Stenger. Dieser Umstand regte die Fantasie der Kinder an. Vor allem aus der Zeit von 1994 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2002 hat Stenger viele Aufsätze, Zeichnungen und vieles mehr aufgehoben.

Eigene Vitrine im Museum

Im Lohrer Schulmuseum ist der Kartoffel sogar eine eigene Vitrine gewidmet. Sie vollendet gewissermaßen den Gang durch 200 Jahre der deutschen Geschichte (1789-1989) unter besonderer Berücksichtigung der schulischen Entwicklung und der Erziehung im außerschulischen Bereich. Die historische Begründung ergibt sich aus der Tatsache, dass die Kartoffel seit Jahrhunderten in vielerlei Hinsicht mit der Schule verbunden ist.

Anlass, das Thema in die Sammlung aufzunehmen, war sicher auch, dass Lohrs exklusivster Club „SOCIETAS AD USUM POTATONIS“ (Gesellschaft zum Nutzen der Kartoffel), in diesem Gebäude zur Welt kam. Die Mitglieder, die dem Verein nicht einfach beitreten können, sondern nur aufgrund herausragender Leistungen um die Verbreitung der Kartoffel berufen werden müssen, trafen sich im sogenannten Normannenkeller über Jahrzehnte hinweg jeden Herbst zum wissenschaftlichen und kulinarischen Erfahrungsaustausch.

Sammlung der von Kartoffelkönig Eduard I. herausgegebenen Ehren- und Erinnerungsmedaillen. | Foto: B. Merz
Sammlung der von Kartoffelkönig Eduard I. herausgegebenen Ehren- und Erinnerungsmedaillen. | Foto: B. Merz

Mit unbändiger Kreativität

Wie bedeutsam und raumfüllend die Kartoffel jahrhundertelang für den Unterricht und das Schulleben war, erläuterte der emeritierte Pädagogikprofessor Horst Schiffler, Mitglied des Kartoffelclubs und Gründer des Saarländer Schulmuseums, vor 13 Jahren in seinem Vortrag „Kartoffel und Schule“. Bemerkenswert auch sein Schlusswort: „Als der heutige Kartoffelkönig Eduard I. vor mehr als 65 Jahren mit der Schule in Berührung kam, muss das den Jungen so beeindruckt haben, dass er sich nie mehr davon befreien konnte. (…) Mit unbändiger Kreativität ‚zwang‘ er die Schule in ein Museum, übrigens das einzige Museum unter königlicher Leitung. Dank seiner geht hier die edle Kartoffel mit der Schule eine gelungenere Symbiose ein.“

Lohrer Karfreitagsprozession jetzt immaterielles Kulturerbe des Freistaats Bayern

Männer tragen eine lebengroße Jesusfigur am Kreuz durch eine menschengesäumte Straße. Vorneweg gehen Mädchen in weißen Kleidern.

Der bayerische Ministerrat hat in der Woche vor den Osterferien 2026 entschieden: Die seit 1656 nachzuweisende und seither bis auf Kriegs- und Pandemiezeiten ununterbrochen durchgeführte Karfreitagsprozession in Lohr a. Main gehört ab sofort zum immateriellen Kulturerbe des Freistaats Bayern. Ein entsprechender Antrag wurde 2022 gestellt.

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Die Kelten beherrschten ab dem fünften Jahrhundert vor Christus das heutige Franken

Das heutige Franken war vom fünften bis zum ersten Jahrhundert vor Christus bevorzugtes Siedlungsgebiet der Kelten. Eindrucksvoll legt dies eine Sonderausstellung im Knauf-Museum in Iphofen im Landkreis Kitzingen dar. Zu sehen ist sie allerdings nur noch bis einschließlich 9. November 2025. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

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Einblick in Pixis Bücherwelt im Fränkischen Freilandmuseum in Fladungen

Pixi macht Lust auf Bücher – seit über 70 Jahren. Das Geheimnis des Männchens mit der Wichtelmütze beleuchtet eine Sonderausstellung im Empfangsgebäude des Fränkischen Freilandmuseums in Fladungen in der Rhön. Bis einschließlich 9. November, dem letzten Öffnungstag der Saison 2025 dieser wunderbaren Kultureinrichtung des Bezirks Unterfranken, ist Pixi dort täglich zu erleben; aktuell von 9 bis 18 Uhr, ab kommenden Sonntag, 26. Oktober, bis 17 Uhr.

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Nach Bad Staffelstein und Banz nicht bloß wegen Liedern vor traumhafter Kulisse

„Lieder auf Banz“ erklingen traditionell an zwei Abenden am ersten Wochenende im Juli auf dem Banzberg oberhalb von Bad Staffelstein. Einige der besten deutschsprachigen Barden sind heuer wieder dabei. Bis 2016 hießen die Liedermacherkonzerte vor der traumhaften Kulisse des ehemaligen Benediktinerklosters Banz „Songs an einem Sommerabend“.

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Klosterkirche im Schatten des Turms der Stadtpfarrkirche

Zum 375. Mal jährt sich am 15. März 2025 die Grundsteinlegung für die Kirche des Kapuzinerklosters in Lohr a. Main. Fertig wurde sie erst 15 Jahre später: 1665. Im Gegensatz zur Stadtpfarrkirche St. Michael mit ihrem mächtigen 75 Meter hohen Glockenturm verfügt die Klosterkirche nur über ein Türmchen in Form eines Dachreiters.

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