Der europäische Kulturweg mit dem Titel „Poststraße und Milchstraße“ in der Spessartgemeinde Esselbach wurde nach fast zwei Jahrzehnten aktualisiert und erweitert.
Weltenbummler früherer Jahrhunderte kannten Esselbach. Zumindest diejenigen, die mit der Postkutsche zwischen Frankfurt und Nürnberg verkehrten. Esselbach war 1182 als Espelbach erstmals urkundlich erwähnt worden. 1615 richteten die Herren von Thurn und Taxis eine regelmäßige Postverbindung durch den Spessart ein. Esselbach war eine wichtige Station, um die Pferde zu wechseln. Die große Bedeutung steht sogar in den Himmel geschrieben: Das metallene Bild eines Postreiters erfüllt die Funktion einer Wetterfahne. Der Postillon ist hier den Sternen besonders nah. Damit Themenwechsel zur Astronomie: Im Nachbardorf Steinmark lebte Johann Kern. Dieser konstruierte eine der größten Privatsternwarten Deutschlands. Eines der Teleskope dient noch immer dazu, ins Weltall zu schauen.
Das erklärt, warum der hier seit 2007 verlaufende europäische Kulturweg den Titel „Poststraße und Milchstraße“ trägt. Selbiger ist nach 18 Jahren aktualisiert und erweitert worden. Was dabei an Kosten anfiel, konnte über das Regionalbudget der kommunalen Allianz Raum Marktheidenfeld und durch Sponsoren finanziert werden. Ehrenamtlich engagierten sich in erster Linie die drei Ortshistoriker Manfred Kern, Gertraud Nöth und Reiner Väth. Mit Rat und Tat unterstützte sie Dr. Gerrit Himmelsbach, Leiter des Archäologischen Spessart-Projekts. Diese Institution hat mittlerweile mehr als 130 derartiger Kulturwege ausgewiesen.
Drei neue Informationspunkte
Pfarrer Alexander Eckert erbat am 20. September 2025 Gottes Segen für alle Menschen, die in Esselbach der blauen Markierung mit dem gelben Europaschiffchen folgen. Er freute sich besonders darüber, dass auch die lokale Kirchengeschichte in den Blickpunkt gerückt wurde. Neu ist, dass nun auf einer zusätzlichen Infotafel am Freizeitgelände Weed – zugleich Anfangs- und Endpunkt – die Ritter von Espelbach ausführlich vorgestellt werden. Weitere neue Stelen befinden sich am ehemaligen Gasthaus „Zum Lamm“ (jetziges Dorfgemeinschaftshaus) neben der katholischen Pfarrkirche und an der alten Kredenbacher Schule.


Seit 1978 sind die Dörfer Esselbach, Kredenbach und Steinmark zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Dies erscheint umso bemerkenswerter, da bis Anfang des 19. Jahrhunderts zwischen Esselbach und Kredenbach die Landesgrenze zwischen der evangelischen Grafschaft Wertheim und dem Fürstbistum Würzburg verlief. Wer einst im Südostspessart zu welcher Herrschaft gehörte, konnte man leicht an der unterschiedlichen Tracht erkennen.
Nachfolgende Angaben sind alle einem Faltprospekt über die Kulturlandschaft entnommen:
Der Name des Ortes Esselbach ist wohl abgeleitet vom Namen der Herren von Espelbach. Ihr Siegel von 1303 ist erhalten. Ihren Sitz hatten sie vermutlich dort, wo jetzt erhaben die Esselbacher Pfarrkirche St. Margaretha thront. Der Bereich unterhalb wurde schon im 15. Jahrhundert als die Wethe bezeichnet. Das Wort Weed steht in Unterfranken für Weiher. Der Dorfweiher, der vom Kirchbrunnen gespeist wird, und sein Umgriff wurden zur Freizeitanlage für Jung und Alt umgestaltet.

St. Margaretha wurde 1779 nach Plänen von Emanuel Joseph von Herigoyen erbaut. Der gebürtige Portugiese war Hofarchitekt des Mainzer Kurzfürsten Friedrich Carl Joseph von Erthal und Wegbereiter des Klassizismus in Süddeutschland.
Das Gotteshaus sowie der Pfarrhof auf der gegenüberliegenden Straßenseite und die seinerzeitige Dorfwirtschaft mit einem modernen Saalbau bilden ein markantes architektonisches Ensemble in der Ortsmitte. 2021 wurde zwischen Kirche und Dorfgemeinschaftshaus ein zentraler Platz angelegt. Von hier führt die Wanderroute durchs Tal des Krebsbachs hinüber nach Steinmark. Dessen erste schriftliche Nennung erfolgte 1298. Kirchlich angebunden war das Wertheimer Dorf ursprünglich an die Pfarrei Esselbach. Die Steinmarker blieben sogar noch katholisch, als in der Grafschaft um 1540 die Reformation eingeführt wurde. Auf Druck des Landesherrn änderte sich dies erst 1617/18. Seit 1953 haben die Steinmarker eine eigene evangelische Kirche.



Astronomie populär gemacht
Eine außergewöhnliche Persönlichkeit war der Steinmarker Johann Kern. Sein ausgeprägtes Verständnis für Wissenschaft und Technik veranlassten ihn nach dem Zweiten Weltkrieg, nach eigenen Berechnungen drei Spiegelteleskope fertigen zu lassen und aufzustellen. Das größte wird noch in der Wertheimer Sternwarte im Stadtteil Reichholzheim genutzt. Dafür, die Astronomie gewissermaßen populär gemacht zu haben, verlieh der Bundespräsident 1963 dem Johann Kern das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Die Gemarkungen von Steinmark, Kredenbach und Esselbach treffen an der Salzbachbrücke aufeinander. Zu Salzbach oder Wachenbach werden der Esselbach und der Steinmarker Bach bei ihrem Zusammenfluss. Unmittelbar neben der Salzbachbrücke erstrecken sich die Zollerwiesen. Auf einer alten Karte wurde diese Flurabteilung als Salzweg bezeichnet. Ein Abzweig des bekannten Eselswegs dürfte hier verlaufen sein. Dass Salz aus Bad Orb transportiert wurde, gilt als sicher, zumal in der Nähe ein Bildstock steht, den 1705 die „Orber Sälzer“ stifteten.
Quasi parallel zur heutigen Staatsstraße 2312 gelangt man ins jüngste und kleinste der drei Dörfer: Kredenbach, das anfangs (1330) Kretembach hieß. Ab 1363 wurde hier, bis die deutschen Kleinstaaten aufgelöst wurden, auf der Fernstraße nach Würzburg Zoll erhoben. Das Stationsgebäude und daneben das Gasthaus „Zum grünen Baum“ existieren noch. Nach dem Mainbrückenbau von 1836 bis 1845 in Marktheidenfeld wurde der Verkehr dahin umgelenkt.
Spätestens nach der Eröffnung der König-Ludwig-Westbahn von Bamberg über Schweinfurt und Würzburg nach Aschaffenburg in den 1850er-Jahren endete auch die Blüte der Esselbacher Posthalterei. Das entsprechende, Mitte des 17. Jahrhunderts geschaffene Anwesen ist das älteste erhaltene Postgebäude Unterfrankens. Rund 300 Jahre war es in Familienbesitz, jetzt beherbergt es eine Privatschule. Der Wohlstand der Posthalter drückte sich beispielsweise dadurch aus, dass sie der Pfarrei Messkelche mit ihrem Wappen schenkten. Die Freigabe des erweiterten Kulturwegs war ein Anlass, diese wertvollen Gegenstände öffentlich zu zeigen.


| Fotos: B. Schneider

