Frammersbacher Kreuzkapelle war der geistliche Mittelpunkt für die Arbeiter in den „fliegenden“ Glashütten

Für die Glasmacher im Spessart war die Kreuzkapelle oberhalb des Frammersbacher Sauerbergs in Richtung Wiesthal einst der geistliche Mittelpunkt. Sie gilt als das älteste Gotteshaus zwischen Lohr, Lohrhaupten und Aschaffenburg. Ihr Ursprung liegt im 14. Jahrhundert, als die Glasmacher oft nicht an festen Standorten tätig waren, sondern in sogenannten fliegenden Glashütten; in der Regel waren sie zwischen Ostern und Martini im Einsatz. 

Der Weg zur heiligen Messe in der nächsten Pfarrei – damals Lohrhaupten – war recht weit. Auf Initiative eines Priesters des Stifts Sankt Peter und Alexander in Aschaffenburg wurde die Seelsorge verbessert. Seit 1317 war das Stift in Frammersbach begütert. So entstand eine eigene Glasmacherkirche auf Frammersbacher Gemarkung zur Betreuung der Wanderarbeiter im Gebiet der späteren Gemeinden Wiesthal, Habichsthal, Neuhütten, Krommenthal und Heigenbrücken. 

Ihre Funktion als kirchliches Zentrum verlor die Kreuzkapelle mit Errichtung der Pfarreien Frammersbach 1416 und Wiesthal 1477. Dennoch wurde sie 1506 erweitert. In der heutigen Gestalt wurde sie 1681 vollendet und 1685 eingeweiht, was an der Jahreszahl auf der Eingangsfassade ersichtlich ist. 

Bis ins 18. Jahrhundert kamen zum Fest der Kreuzauffindung (3. Mai) zahlreiche Prozessionen aus der Umgebung hierher. Im 19. Jahrhundert drohte schließlich der Abriss der Kreuzkapelle; für den Neubau der Frammersbacher Pfarrkirche sollten die Steine verwendet werden. Der damalige Pfarrer verfasste eine leidenschaftliche Bittschrift, um dies zu verhindern. 

| Fotos: B. Schneider

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