Lohrer Karfreitagsprozession jetzt immaterielles Kulturerbe des Freistaats Bayern

Der bayerische Ministerrat hat in der Woche vor den Osterferien 2026 entschieden: Die seit 1656 nachzuweisende und seither bis auf Kriegs- und Pandemiezeiten ununterbrochen durchgeführte Karfreitagsprozession in Lohr a. Main gehört ab sofort zum immateriellen Kulturerbe des Freistaats Bayern. Ein entsprechender Antrag wurde 2022 gestellt.

Die Lohrer Karfreitagsprozession geht auf die Gegenreformation zurück und ist vermutlich älter als ein erster schriftlicher Beleg aus den 1650er-Jahren. Die Mehrheit der Bevölkerung konnte damals nicht lesen. Somit auch nicht die zwischenzeitlich durch den Reformator Martin Luther aus dem Hebräischen, Griechischen und Lateinischen ins Deutsche übersetzte Bibel. Mit lebensgroßen Darstellungen wird den Gläubigen gezeigt, welches Leid und welche Qualen Jesus auf sich genommen hat, um die Menschheit zu erlösen.

Dieses Zeugnis gelebter Volksfrömmigkeit hat nicht nur bayern-, sondern auch deutschlandweit einen besonderen Rang. Mit derzeit 13 Stationen ist es wohl der größte derartige Umzug. Dass diese Tradition in Lohr die Jahrhunderte überdauerte, hängt wesentlich damit zusammen, dass von alters her die Handwerkszünfte und später die Innungen die Figuren betreuten, pflegten und bewahrten. Teilweise sind mehrere Berufsgruppen einer für sie typischen Szene der Passion Christi zugeordnet. Beispielsweise kümmern sich die Bauleute, also Maurer und Zimmerer, um die Kreuzigung, bei der der Sohn Gottes ans Holz geschlagen wurde. Berufe wie der der Wagner starben mit fortschreitender Mechanisierung und Technisierung aus. In die Bresche sprang ein Förderverein, dessen Mitglieder sich dem Erhalt der wertvollen Schnitzereien und der gesamten Prozession verschrieben haben. Für die Lohrer ist es eine Selbstverständlichkeit, am Karfreitag an dem um 10:30 Uhr beginnenden vorwiegend stillen Zug durch die Innenstadt teilzunehmen und gegebenenfalls auch die drei bis fünf Zentner schweren Figuren zu tragen zu helfen.

Eine große Tafel verrät, was nun folgt: Die Leidensgeschichte unseres Herrn und Heilands.
Pfadfinder kündigen an, was nun folgt.
6. Station: Ecco Homo (Seht den geschundenen Menschen). Träger sind die Metzger und Beschäftigten der Nahrungsmittelgeschäfte.
6. Station: Ecco Homo (Seht den geschundenen Menschen). Träger sind die Metzger und Beschäftigten der Nahrungsmittelgeschäfte.
11. Station: Pieta (Maria beweint ihren toten Sohn). Trägerinnen sind die sogenannte Mädchenjugend beziehungsweise die Frauen.
11. Station: Pieta (Maria beweint ihren toten Sohn). Trägerinnen sind die sogenannte Mädchenjugend beziehungsweise die Frauen.

| Fotos: B. Schneider

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert