Bei der Lohrer Karfreitagsprozession: Jona als Symbol für die Auferstehung

Am Palmsonntag vor 25 Jahren, 1993, ist die jüngste Figur der bekannten Lohrer Karfreitagsprozession hinzugefügt worden: Stadtpfarrer Werner Bernhard hat den „Jona im Walfisch“ geweiht, der in der darauffolgenden Woche beim andächtigen Umzug durch die Straße der Altstadt erstmals mitgetragen wurde und seitdem die Motivfolge als Nr. 13 beschließt. 

Was hat der laut der Überlieferung im Alten Testament von einem Wal verschluckte und nach drei Tagen wieder ausgespieene Prophet mit dem Leiden und Sterben Christi zu tun? Bei der Darstellung des Passionsgeschehens in Lohr (Lkr. Main-Spessart) endet dieses nicht mit der Katastrophe am Kreuz. Vielmehr gehen die Prozessionsteilnehmer mit der festen Hoffnung nach Hause, dass Jesus auferstehen wird nach dreitägiger Grabesruhe; so lange dauerte auch der Aufenthalt Jonas im Bauch des Meeressäugers.

Jona war wohl von jeher schon Teil der Karfreitagsprozession, ist aber in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wegen groben Unfugs entfernt worden. In Anekdoten heißt es, dass einem Jünglich, der den Jona damals spielte, reichlich berauschende Getränke gereicht wurden mit entsprechenden unangenehmen Folgen: Er entleerte seinen eigenen Magen und fiel gar kopfüber aus dem Walmaul aufs Pflaster.

Seit 1953 findet die Prozession in ehrfürchtiger Stille statt. Nur der dumpfe Trommelschlag gibt den für das Ausbalancieren der drei bis fünf Zentner schweren Holzfiguren nötigen Gleichschritt vor – unterbrochen von Trauerchorälen. Dekan Karl Haller, der insgesamt 22 Jahre bis 1974 in Lohr tätig war, schaffte den Gesang und die zuweilen recht eintönigen Gebete ab. Er bereitete auch der Ökumene den Weg, so dass sich heute katholische und evangelische Geistlichkeit Seite an Seite an der im 17. Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation entstandenen Glaubensdemonstration beteiligen. Und Geistlicher Rat Haller stiftete zwei Jahre vor seinem Tod 1995 einen neuen Jona, der eben auf die Vollendung des Erlösungswerkes Christi hinweisen soll.

Der „Jonasfisch von Aldersbach“ in der dortigen ehemaligen Abteikirche. / Foto: B. Schneider
Der „Jonasfisch von Aldersbach“ in der dortigen ehemaligen Abteikirche. / Foto: B. Schneider

Die Vollplastik wurde in Lappersdorf bei Regensburg in der Werkstatt von Horst Eis gefertigt. Als Vorbild diente eine Arbeit aus dem 18. Jahrhundert in der ehemaligen Zisterzienserabtei Aldersbach im Passauer Land. Wer dort beispielsweise vor zwei Jahren die bayerische Landesausstellung zum Thema „500 Jahre Reinheitsgebot“ besuchte und sich nicht nur fürs flüssige Manna interessierte, mag das Original in einem türkisblau ausgemalten Bottich schon gesehen haben. Eine Tafel erklärt: „Die Mönche von Aldersbach ließen diesen originellen Jonasfisch von Josef Deutschmann (1717 – 1787) für das Hl. Grab an Karfreitag und Karsamstag schnitzen. (…) Deutschmann hat dem Fisch zwei Düsen eingebaut, aus denen Wasser spritzt wie bei einem echten Walfisch.“ Prozessionsteilnehmer in Lohr müssen diese Funktion beim hiesigen Exemplar und womöglich eine ungeplante Dusche nicht fürchten. Die Feuerwehrleute kümmern sich statt wie früher die Fischerzunft um den Jona; die setzen Wasser anderweitig ein.

Feuerwehrleute tragen die Jona-Figur bei der Lohrer Karfreitagsprozession. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2007. | Foto: B. Schneider
Feuerwehrleute tragen die Jona-Figur bei der Lohrer Karfreitagsprozession. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2007. | Foto: B. Schneider

Der Passionszug durch Lohr beginnt am 30. März 2018 um 10:30 Uhr. Im Anschluss kurz vor 12:00 Uhr wird den Gläubigen der Segen auf dem Kirchplatz erteilt.

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