Rhöner Naturlehrpfad mit Einkehr im Jagdschloss

Die Vorfreude auf Speis und Trank währt knapp 7 km lang. Je nach Wetterlage benötigt man für die Strecke Schritt für Schritt stapfend bis zu dreieinhalb Stunden. Auf einer der Infotafeln des Naturlehrpfads am Bauersberg oberhalb von Bischofsheim – mit korrektem Namenszusatz: an der Rhön – erfährt der Wanderer schwarz auf Weiß, dass es auf den Höhen „oft kälter, windiger und nebeliger“ ist als beispielsweise im Tal der Fränkischen Saale; „im Winter liegt vergleichsweise häufiger und länger Schnee“. 

Schnee um die Osterzeit ist auf den Höhen der Rhön nicht ungewöhnlich. Er verzaubert die Landschaft, die wie gemalt wirkt. | Foto: B. Schneider
Schnee um die Osterzeit ist auf den Höhen der Rhön nicht ungewöhnlich. Er verzaubert die Landschaft, die wie gemalt wirkt. | Foto: B. Schneider

Dass man hier zu Ostern noch auf eine weiße Pracht trifft, ist nicht ungewöhnlich. Deshalb fährt der Eigentümer des Holzberghofs nach den Schulferien die Öffnungszeiten seines Lokals noch einmal für ein paar Wochen auf den Wintermodus (Freitag, Samstag, Sonntag) zurück, bevor dann am 1. Mai am nahen Rothsee mit dem Anangeln die Sommersaison beginnt und es anschließend auf dem Holzberg ohne Ruhetag bis November durchgeht.

Am Rothseeparkplatz startet ein Rundkurs von insgesamt rund 10 km. Wer dem Zeichen „blauer Tropfen“ folgt, lernt ganz viele Facetten der Rhön kennen. „Das Land der offenen Fernen!“, schwärmen die Naturliebhaber.

Durch Vulkanismus bildeten sich vor 22 bis 15 Mio. Jahren die Kuppen der Rhön. Die erkaltete Lava dient als Einnahmequelle. „Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Basaltabbau zu einem wichtigen Wirtschaftszweig“, verrät wiederum eine Naturlehrpfadtafel. Und: „Der Bedarf (Anm.: an Schotter) wuchs durch Straßen- und Gleisbau.“

Kohle für Schuhcreme

Wie Radlader mit riesigen Schaufeln das dunkle Gestein auf Lkw kippen und diese zielsicher den verzweigten Weg aus der Halde finden, kann man von einer Anhöhe beobachten – das ganze Jahr über. Auf die warmen Monate ist man hingegen beschränkt, will man den Schaustollen „Grube Einigkeit 1844“ erkunden. Im Winter ist er aus Gründen des Fledermausschutzes geschlossen. Braunkohle wird hier seit 1954 nicht mehr gewonnen. Aus Bäumen des Miozäns, einer Periode des Tertiärs, entstand die Kohle annähernd zur gleichen Zeit wie der Basalt. Für die Rhöner Kohle gilt: „Wegen geringer Qualität konnte sie nur zur Herstellung von Schuhcreme und Schmiermittel eingesetzt werden.“

Der Schaustollen „Grube Einigkeit 1844“ kann aus Gründen des Fledermausschutzes nur in den warmen Monaten besichtigt werden. | Foto: B. Schneider
Der Schaustollen „Grube Einigkeit 1844“ kann aus Gründen des Fledermausschutzes nur in den warmen Monaten besichtigt werden. | Foto: B. Schneider

Schwerspat, Flussspat und Eisenerz wurden des Weiteren in der Rhön zutage gefördert. Der Bergbau ist ab 1421 nachzuweisen. Die ehemaligen Brüche und Stollen wurden meist renaturiert und sind wertvolle Landschafts- und Erholungsgebiete.

Viele seltene Tiere und Pflanzen haben auf den Rhöner Bergwiesen einen Lebensraum gefunden. Der Grünlandnutzung in Form von Mähwiesen und Viehweiden ist dies zu verdanken. Das vor wenigen Jahrzehnten noch vom Aussterben bedrohte Rhönschaf mit seinem schwarzen Kopf ist zwischenzeitlich zu einem Markenzeichen der Region geworden.

Fleisch, das Vegetariern schmeckt

Natürlich steht zuweilen Lammfleisch auf der Speisekarte des Holzberghofs ebenso wie Nudeln aus Bioeiern, Forellen und andere heimische Produkte. Vor allem aber Wild aus der eigenen Jagd. Schließlich firmieren Übernachtungsbetrieb und Restaurant der Familie Meinschäfer als Jagdschloss. „Meine Frau, mein Sohn und ich schießen“, merkt Bernd Meinschäfer an. Was er dann noch über bestimmte Gäste preisgibt, klingt allerdings wie Jägerlatein: „Sogar Vegetarier essen unser Wild, weil sie wissen, dass die Tiere in den Wäldern ein gutes Leben haben und waidgerecht erlegt werden.“

Rehbraten – ein Klassiker im Holzberghof. | Foto: B. Schneider
Rehbraten – ein Klassiker im Holzberghof. | Foto: B. Schneider
Das Jagdzimmer des Holzberghofs kann zu besonderen Anlässen gebucht werden. Es birgt auch Trophäen wie ein Auerhuhn von 1969. Die größten Hühnervögel Europas sind heute streng geschützt. | Foto: B. Schneider
Das Jagdzimmer des Holzberghofs kann zu besonderen Anlässen gebucht werden. Es birgt auch Trophäen wie ein Auerhuhn von 1969. Die größten Hühnervögel Europas sind heute streng geschützt. | Foto: B. Schneider
Bernd Meinschäfer betreibt seit 34 Jahren mit seiner Familie den Holzberghof und freut sich, dass bereits die nächste Generation in den Startlöchern steht. | Foto: B. Schneider
Bernd Meinschäfer betreibt seit 34 Jahren mit seiner Familie den Holzberghof und freut sich, dass bereits die nächste Generation in den Startlöchern steht. | Foto: B. Schneider

Der 60-jährige Seniorchef freut sich, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt, dass dieser wie er selbst den Beruf des Kochs erlernt hat. Meinschäfers Frau managt das Büro und kümmert sich um die 19 Doppelzimmer und 6 Ferienhäuser des Holzberghofs. Zudem ist sie Pilzsachverständige. Entsprechende Führungen gibt’s vielleicht, wenn das Hoteliers- und Wirtsehepaar kürzer tritt. „Seit 34 Jahren mache ich das“, sagt Bernd Meinschäfer und meint damit die Bewirtschaftung des Holzberghofs; zuvor war er 30 Jahre lang verpachtet.

Der Holzberghof – wie in einem Märchen. | Foto: B. Schneider
Der Holzberghof – wie in einem Märchen. | Foto: B. Schneider

Wie aus einem Märchenbuch

Die ältesten erhaltenen Teile des Anwesens stammen von 1614. Die Jahreszahl ist zusammen mit dem Wappen des damals in Würzburg regierenden Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn eingehauen in einen Portalstein. Zuvor hatten die Freiherren von Thüngen auf dem waldreichen Holzberg eine Eisenschmelze und eine Maultierzucht betrieben. Bis 1906 wechselten häufig die Besitzer. Adeleine von Schimmelmann, die laut Bernd Meinschäfer unter anderem ein Schiff und zwei Seemannsheime ihr eigen nannte, investierte kräftig auf dem von ihr erworbenen Holzberghof. Das Äußere wirkt, als habe der Baumeister Anleihen bei den Brüdern Grimm genommen. Die sogenannte dänische Gräfin konnte jedoch ihr märchenhaftes Rhöner Domizil nicht lange genießen. Es folgten nicht nur weltpolitisch unruhige Zeiten. Als die Immobilie 1954 erneut zum Verkauf stand, kam um Ostern ein passionierter Jäger namens Meinschäfer aus Lippstadt in Westfalen zur Besichtigung. Er erwischte einen ausgesprochen kalten, windigen und nebeligen Tag, konnte sich erst nicht entscheiden. Aber er hatte eine Frau, die die Höhenlage auf rund 800 m einzuschätzen wusste und ihn überzeugte, Wochen danach noch einmal vorbeizuschauen …


Lieber Gottes Segen als die Segnungen der Digitalisierung

Der Holzberghof verfügt über einen eigene Wasserversorgung und eine eigene Kläranlage. Vor acht Jahren wurde er schließlich ans Stromnetz angeschlossen. Trotzdem werden abends im Gastraum stets die alten Petroleumlampen entzündet, die ein warmes Licht erzeugen. Zu 80 % würden Stammgäste auf dem Holzberghof logieren, zeigt sich Eigentümer Meinschäfer stolz. Unter anderem sei zwei Mal für je eine Woche die Rockband Deep Purple (Smoke on the water) da gewesen – auf Wunsch selbstverständlich inkognito und in Abgeschiedenheit. Ohne sich zu erkennen zu geben, habe es sich auch der seinerzeitige Bundesfinanzminister Hans Eichel im Restaurant schmecken lassen. „Hier gibt es kein W-Lan, die Leute lieben die absolute Ruhe“, ist sich Bernd Meinschäfer sicher. Folglich scherzt er, dass er lieber Franz Jung als Markus Söder zu Besuch haben möchte. Beim neuen Bischof von Würzburg sei zu erwarten, dass er Gottes Segen mitbringe, der neue bayerische Ministerpräsident hingegen die Segnungen der Digitalisierung.


Tipps von der Rhön GmbH

Entlang der Hochrhönstraße reihen sich außer Rothsee, Grube Einigkeit 1844 und Holzberghof eine Vielzahl lohnenswerter Ziele aneinander bis hin zum Fränkischen Freilandmuseum Fladungen. Touristische Tipps und Auskünfte erhalten Interessierte in allen Städten und größeren Gemeinden der bayerischen und hessischen Rhön sowie im RhönInfoZentrum auf der Wasserkuppe, in der Infostelle Schwarzes Moor (Fladungen), im Info-Zentrum „Haus der Schwarzen Berge“ in Oberbach (Wildflecken), im Info-Zentrum „Haus der Langen Rhön“ in Oberelsbach und im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg. Miteinander verbunden sind alle wesentlichen Akteure in der Rhön GmbH und über deren Internetseite www.rhoen.de.

 

 

 

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