Die einzige Kirche in Deutschland im Besitz eines Landkreises

Kloster Bronnbach im Taubertal ist für mehr als die Jakobspilger einen Abstecher wert

Rund 170 Kilometer führt der Jakobsweg durchs Taubertal. | Foto: B. Schneider
Rund 170 Kilometer führt der Jakobsweg durchs Taubertal. | Foto: B. Schneider

Der aus dem Odenwald kommende Jakobsweg schließt in Miltenberg an jenen von Colmar über Aschaffenburg an, folgt ein Stück dem Main und führt dann rund 170 Kilometer durch das Liebliche Taubertal, bis er vor den Toren Rothenburgs auf den fränkisch-schwäbischen trifft. Die Pilger finden südlich von Wertheim in Kloster Bronnbach Quartier im Gästehaus „Bursariat“. Ein lohnendes Ziel ist der historische Komplex mit moderner Nutzung für viele Besucher über den Wunsch nach Stille und Kontemplation, nach Speis und Trank sowie nach Übernachtung und Erholung hinaus – für Kunst- und Kulturliebhaber, für Studierende von immerhin sieben Kooperationsuniversitäten und -hochschulen, für Forschende des Archivverbands Main-Tauber, des Fraunhofer-Instituts und der Forschungsgemeinschaft Technik und Glas, für Teilnehmer an Tagungen und Seminaren und nicht zuletzt für Feiernde.

Im Mantel des Pilgers, der im Zeichen der Jakobsmuschel unterwegs ist, führt Karl-Heinz Sommer wie zahlreiche Kollegen mit anderen Themenschwerpunkten regelmäßig Gäste in Bronnbach. Der bald 80-jährige ehemalige Bankangestellte wirkt wie ein Jungbrunnen, aus dem es nur so sprudelt, wenn er Geschichte, Gegenwart und sogar die voraussichtliche Zukunft der prächtigen, etwa sechs Hektar großen Anlage vorstellt.

Über die aktuellen Pläne weiß Dr. Matthias Wagner am besten Bescheid. Keineswegs obliegt ihm die Aufgabe des Priors der Missionare der heiligen Familie, die seit dem Jahr 2000 die monastische Tradition in Bronnbach wiederbeleben. Vielmehr leitet er den dem Landratsamt in Tauberbischofsheim zugeordneten Eigenbetrieb Kloster Bronnbach und betätigt sich als Kulturmanager. Seit 1986, seitdem der Landkreis verantwortlich zeichnet, habe dieser gut 20 Millionen Euro in den Erhalt des Gesamtdenkmals investiert, schätzt Dr. Wagner. Kürzlich habe der Kreistag zugestimmt, in dem auf 1742 datierten ehemaligen Amtssitz des Klosterverwalters und in einer Scheune für über sechs Millionen Euro bis 2022 zusätzliche 28 Hotelzimmer mit 36 Betten sowie eine Empfangshalle mit Rezeption zu schaffen. Auch in Wertheim, wo Tourismus und Wirtschaft florieren, freue man sich über die dann zur Verfügung stehenden rund 70 Bronnbacher Gästebetten.

Der einst verschüttete und jetzt aufwendig sanierte barocke Abteigarten mit originalem Figurenbestand wurde 2017 wiedereröffnet. Um das gegenüberliegende Ökonomiegebäude und den Fruchtspeicher in eine Eingangshalle mit Rezeption sowie in Hotelzimmer umzubauen, hat der Main-Tauber-Kreis als Eigentümer unlängst mehr als sechs Millionen Euro freigegeben. | Foto: B. Schneider
Der einst verschüttete und jetzt aufwendig sanierte barocke Abteigarten mit originalem Figurenbestand wurde 2017 wiedereröffnet. Um das gegenüberliegende Ökonomiegebäude und den Fruchtspeicher in eine Eingangshalle mit Rezeption sowie in Hotelzimmer umzubauen, hat der Main-Tauber-Kreis als Eigentümer unlängst mehr als sechs Millionen Euro freigegeben. | Foto: B. Schneider

Dr. Wagner betont: „Wir sind der einzige Landkreis in Deutschland, der Eigentümer einer Kirche ist!“ Dieser akzeptiere ein Defizit aus Liegenschaft und öffentlichen Kulturauftrag von jährlich annähernd einer Million Euro.

In der Orangerie werden feine regionale Speisen serviert. Davor liegt der bunte Kräutergarten. Und von hier genießt man die schönste Aussicht auf die Hauptgebäude der umfangreichen Anlage: Klosterkirche und Prälatenbau. | Foto: B. Schneider
In der Orangerie werden feine regionale Speisen serviert. Davor liegt der bunte Kräutergarten. Und von hier genießt man die schönste Aussicht auf die Hauptgebäude der umfangreichen Anlage: Klosterkirche und Prälatenbau. | Foto: B. Schneider

Wer Bronnbach ansteuert, dessen Blick fällt als erstes auf die mehrschiffige Kirche. Gleichwohl verzichteten die Zisterzienser als Bauherren auf einen hoch aufragenden Turm mit einem entsprechenden Glockenstuhl. „Es galt, nur die Mitglieder der eigenen Gemeinschaft und nicht die Gläubigen aus der Ferne zu rufen“, erklärt Karl-Heinz Sommer seiner interessierten Gruppe. Auf Nachfrage schiebt er nach: rund 40 Patres (Mönche) und bis zu 100 Fratres (Laienbrüder).

Bei der Bronnbacher Klosterkirche handelt es sich um eine spätromanische, dreischiffige Basilika mit einem einschiffigen Querhaus. Der Bau war 1157 begonnen worden. Die Weihe des Hauptaltars ist aus dem Jahr 1222 überliefert. Heute ist der Kircheninnenraum von der nunmehr fünften – einer barocken – Ausstattung geprägt. Hochaltar und mehrere Nebenaltäre sind Werke zweier Würzburger Meister, des Bildhauers Balthasar Esterbauer und des Malers Oswald Onghers. | Foto: B. Schneider
Bei der Bronnbacher Klosterkirche handelt es sich um eine spätromanische, dreischiffige Basilika mit einem einschiffigen Querhaus. Der Bau war 1157 begonnen worden. Die Weihe des Hauptaltars ist aus dem Jahr 1222 überliefert. Heute ist der Kircheninnenraum von der nunmehr fünften – einer barocken – Ausstattung geprägt. Hochaltar und mehrere Nebenaltäre sind Werke zweier Würzburger Meister, des Bildhauers Balthasar Esterbauer und des Malers Oswald Onghers. | Foto: B. Schneider
Freilich hat kein Jakobspilger früher im Chorgestühl Platz nehmen dürfen. Dies war den Mönchen für ihre schon mitten in der Nacht beginnenden Gebetszeiten vorbehalten. Klosterführer Karl-Heinz Sommer schwärmt – zu Recht – von diesem 1778 fertiggestellten Schnitzwerk des Bronnbacher Laienbruders F. Daniel Aschauer aus Lengfurt. | Foto: B. Schneider
Freilich hat kein Jakobspilger früher im Chorgestühl Platz nehmen dürfen. Dies war den Mönchen für ihre schon mitten in der Nacht beginnenden Gebetszeiten vorbehalten. Klosterführer Karl-Heinz Sommer schwärmt – zu Recht – von diesem 1778 fertiggestellten Schnitzwerk des Bronnbacher Laienbruders F. Daniel Aschauer aus Lengfurt. | Foto: B. Schneider

Überhaupt bewundert Kalr-Heinz Sommer, was die Ordensleute – verschärften benediktinischen Regeln folgend – leisteten. Fränkische Adelige hatten selbstredend nicht ihre fruchtbarsten Ländereien gestiftet, damit der französische Reformorden 1157 ein neues Kloster weit jenseits des Rheins gründen konnte. Die frommen Arbeiter zur Ehre Gottes machten einen Sumpf urbar, legten Weinberge an und entwickelten schlussendlich einen autonomen Wirtschaftsbetrieb samt Mühle und Brauerei. Der Kaiser habe mit einem Gefolge von rund 800 Leuten viermal die Gastfreundschaft des Klosters genossen, berichtet Sommer. Klar, dass ein jeder die Finger ausstreckte nach einer solch wohlhabenden Einrichtung. Als Napoleon sich die einst deutschen linksrheinischen Gebiete einverleibte, wurden die ehemaligen Landesherren im Zuge der Säkularisation mit Kirchenvermögen entschädigt. Dem Fürstenhaus zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg fiel 1803 Bronnbach zu. Gut 180 Jahre später sah dieses sich außerstande, das Kulturgut weiter über die Zeit zu bringen.  Zum Retter Bronnbachs schwang sich der Main-Tauber-Kreis – namentlich der damalige Landrat Georg Denzer – auf, zahlte 1,9 Millionen DM und sprang in die Bresche mit einem Konzept aus wissenschaftlichem Arbeiten, kulturellen Veranstaltungen und gastronomischem Angebot. 

In barocker Marnier verewigten die Restaurateure das Denzer’sche Konterfei in einer Gesamtansicht von der Klosteranlage an der Decke des Bernhardsaals. Der Freskenschmuck bereichert die diversen Gaumenfreuden und Ohrenschmäuse.

Maria breitet ihren blauen Mantel aus und macht den Menschen Schirm und Schild daraus. Auf den Fresken des Klosters Bronnbach fehlt allerdings die Bevölkerung des damals noch unentdeckten fünften Kontinents. Die am prächtigsten ausgemalten Räume sind der Bernhardsaal zur Erinnerung an Bernhard von Clairvaux als wichtigste Persönlichkeit des Zisterzienserordens im ehemaligen Refektorium, also Speisezimmer, und darüber der Josephsaal, wo zwar im stuckierten Spiegelgewölbe der alttestamentarische Joseph mit dessen Vater Jakob und seinen Brüdern vor dem Pharao dargestellt ist, doch wohl Abt Joseph Hartmann aus Grünsfeld der Namensgeber war, der die Bronnbacher Gemeinschaft zwischen 1699 und 1724 zu größtem Ansehen und Reichtum führte. Die Malerei auf der Fassade der Orangerie gilt übrigens als das größte Außenfresko nördlich der Alpen. | Fotos: B. Schneider
Maria breitet ihren blauen Mantel aus und macht den Menschen Schirm und Schild daraus. Auf den Fresken des Klosters Bronnbach fehlt allerdings die Bevölkerung des damals noch unentdeckten fünften Kontinents. Die am prächtigsten ausgemalten Räume sind der Bernhardsaal zur Erinnerung an Bernhard von Clairvaux als wichtigste Persönlichkeit des Zisterzienserordens im ehemaligen Refektorium, also Speisezimmer, und darüber der Josephsaal, wo zwar im stuckierten Spiegelgewölbe der alttestamentarische Joseph mit dessen Vater Jakob und seinen Brüdern vor dem Pharao dargestellt ist, doch wohl Abt Joseph Hartmann aus Grünsfeld der Namensgeber war, der die Bronnbacher Gemeinschaft zwischen 1699 und 1724 zu größtem Ansehen und Reichtum führte. Die Malerei auf der Fassade der Orangerie gilt übrigens als das größte Außenfresko nördlich der Alpen. | Fotos: B. Schneider

Der Aufenthalt in Bronnbach ist definitiv keine trockene Angelegenheit. Karl-Heinz Sommers Führung endet jedenfalls im Gewölbekeller hinter dem Klosterladen, wo der Landkreis Weingütern und Winzergenossenschaften der Gegend ermöglicht, ihre Erzeugnisse in einer schicken Vinothek feilzubieten. Der Klosterführer hat unter anderem einen Tauberschwarz ausgewählt; die Rebe wird nur hier regional angebaut.

Zum Abschluss ein besonderer Tropfen: Der Tauberschwarz wird nur regional angebaut. | Foto: B. Schneider
Zum Abschluss ein besonderer Tropfen: Der Tauberschwarz wird nur regional angebaut. | Foto: B. Schneider

Feste Führungszeiten

Während der Sommersaison von Mitte März bis 1. November sind Kloster, Klosterladen und Vinothek an Werktagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen erst ab 11 Uhr; in der Wintersaison dauert die tägliche Besichtigungszeit von 11 bis 16 Uhr. Zur Eintrittskarte können Erwachsene für zwei Euro sowie Schüler und Studenten für einen Euro eine Führung dazubuchen; in der Sommersaison findet diese täglich um 14:30 Uhr statt, samstags außerdem um 11 Uhr sowie sonn- und feiertags um 12 Uhr. Für Themenführungen gelten individuelle Preise und Termine. Die Vielfalt reicht hier von einer Kindererlebnisführung über einen Gang durch die Dächer sowie einer Kräuterführung durch den Klostergarten bis zu einer Kanutour auf der Tauber zwischen Stauferburg und Zisterzienserkloster; auf der nahen Gamburg sind die wahrscheinlich ältesten profanen Wandmalereien nördlich der Alpen zu sehen. Mehr unter www.kloster-bronnbach.de.

Gäste gehen im Kreuzgang nahe an der Wand, denn in der Mitte befinden sich unter den Steinplatten Mönchsgräber. | Foto: B. Schneider
Gäste gehen im Kreuzgang nahe an der Wand, denn in der Mitte befinden sich unter den Steinplatten Mönchsgräber. | Foto: B. Schneider

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