(Kirchen-)Kunst, Konzerte, Kräuter, Kabarett in und um Schloss Oberschwappach

Wo der Steigerwald im Norden zum Maintal hin abfällt, errichtete die reiche Abtei Ebrach ihren schönsten Amtshof – als „Abglanz himmlischer Herrlichkeit“. Augen und Ohren, Nase und Gaumen werden betört in und um diese als Schloss bezeichnete barocke Dreiflügelanlage im kleinen Oberschwappach, heute ein Ortsteil der Gemeinde Knetzgau.

Ein Kräutergarten befindet sich jetzt auf den Terrassen von Schloss Oberschwappach. | Foto: B. Schneider
Ein Kräutergarten befindet sich jetzt auf den Terrassen von Schloss Oberschwappach. | Foto: B. Schneider
Kräutertag in Oberschwappach. | Foto: B. Schneider
Kräutertag in Oberschwappach. | Foto: B. Schneider

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der in den vergangenen Jahren so beliebte Kräutertag an Maria Himmelfahrt pausiert heuer. Ansonsten gibt es keine Abstriche bei den genussvollen Angeboten rund um Schloss Oberschwappach: Gewürze und heilsame Pflanzen gedeihen und können beschnuppert werden auf den dem Dorf zugewandten Terrassen. Im Park unter Schatten spendenden, alten Bäumen sind berühmte Gemälde als Skulpturen nachgebildet, beispielsweise Albrecht Dürers „Verführung im Paradies“ und Edvard Munchs „Schrei“. Jüngste Erwerbung ist eine Installation der vor allem durch Schweißarbeiten bekannten Würzburgerin Angelika Summa: eine Mohnblume, wie sie der Impressionist Claude Monet zuhauf auf die Leinwand brachte.

Die jüngste Bereicherung zum Oberschwappacher Skulpturenpark hat heuer Angelika Summa mit ihrer Mohnblume nach dem Vorbild von Claude Monet beigetragen. | Foto: B. Schneider
Die jüngste Bereicherung zum Oberschwappacher Skulpturenpark hat heuer Angelika Summa mit ihrer Mohnblume nach dem Vorbild von Claude Monet beigetragen. | Foto: B. Schneider
Kein geringerer als Albrecht Dürer lieferte die bildliche Vorlage für die Holzskulptur „Die Verführung im Paradies“ des Königsberger Künstlers Gerhard Nerowski. | Foto: B. Schneider
Kein geringerer als Albrecht Dürer lieferte die bildliche Vorlage für die Holzskulptur „Die Verführung im Paradies“ des Königsberger Künstlers Gerhard Nerowski. | Foto: B. Schneider
Bei dieser Figurengruppe handelt es sich um die Arbeit „Frühstück im Schlosspark” von Hilde Würtheim aus dem Jahr 2010. Die lebensgroßen Tonplastiken sind einem Gemälde von Eduard Manet von 1863 nachempfunden. | Foto: B. Schneider
Bei dieser Figurengruppe handelt es sich um die Arbeit „Frühstück im Schlosspark” von Hilde Würtheim aus dem Jahr 2010. Die lebensgroßen Tonplastiken sind einem Gemälde von Eduard Manet von 1863 nachempfunden. | Foto: B. Schneider

Die aktuelle Sonderausstellung im Schloss zeigt bis 1. September Malerei von Joachim Kerstens, der mit Farben und Formen Geheimnisvolles inszeniert, und Objekte von Hubertus Hess, der seine Materialien zwischen Tradition und überraschenden Neubildungen komponiert. Am letzten Tag um 14 Uhr erhalten Gäste noch einmal Erläuterungen bei einer Führung.

Sonn- und feiertags zwischen 14 und 17 Uhr sind die vielfältigen vom Kulturverein Museum Schloss Oberschwappach in Kellergewölbe sowie Erd- und Obergeschoss des Ostflügels präsentierten Exponate zu besichtigen: In der archäologischen Abteilung lernt man die Vor- und Frühgeschichte der Region kennen – bis zur Glashütte von Fabrikschleichach, die Balthasar Neumann 1747 im Hinblick auf die Ausstattung der Würzburger Residenz mit Fensterscheiben erwarb. Der prunkvolle Barock spiegelt sich in rund 130 Kunstwerken aus den Sammlungen der Diözese Würzburg wider. Kulturvereinsvorsitzender Egon Stumpf, Elisabeth Ambros und Bernadette Klug gehören zum Stamm der Museumsführer. Letztere nennt das Bild der „heiligen Sippe“ und den „grazilen Goldengel“ ihre Lieblingsstücke. Ferner den siegreichen Kampf des Erzengels Michael, der dem Teufel eine Lanze in den Kehlkopf rammt.

Graziler Barockengel. | Foto: B. Schneider
Graziler Barockengel. | Foto: B. Schneider
Ein seltenes Kruzifix in der Ausstellung von Schloss Oberschwappach. Bestück ist sie mit rund 130 Kunstwerken aus den Sammlungen der Diözese Würzburg. | Foto: B. Schneider
Ein seltenes Kruzifix in der Ausstellung von Schloss Oberschwappach. Bestück ist sie mit rund 130 Kunstwerken aus den Sammlungen der Diözese Würzburg. | Foto: B. Schneider

Bernadette Klug macht auch auf Parkettböden und prächtige Stuckdecken aufmerksam – und natürlich auf das Lichtspiel und die Akustik im Spiegelsaal. Vor allen klassische Musikensembles treten hier auf. Die treuesten Zuhörer hat wohl das Bamberger Streichquartett aus (ehemaligen) Mitgliedern der Symphoniker. Zum Schluss seiner Konzerte wünscht das Publikum sich immer wieder Mozarts „Kleine Nachtmusik“. Das Wirken des ungestümen Komponisten und die Blüte Oberschwappachs liegen im gleichen Zeitabschnitt – in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Prunkvolle Stuckarbeiten im Spiegelsaal von Schloss Oberschwappach. | Foto: B. Schneider
Prunkvolle Stuckarbeiten im Spiegelsaal von Schloss Oberschwappach. | Foto: B. Schneider

Das 1127 als erstes rechts des Rheins gegründete Zisterzienserkloster in Ebrach hatte schon 1274 Besitzungen bei Oberschwappach erlangt und dann 1525 einen Amtshof eröffnet. Bevor der Würzburger Baumeister Joseph Greissing 1721 verstarb, hatte er dem aus Gerolzhofen stammenden Abt Wilhelm Söllner Umbaupläne geliefert. Von 1733 bis 1738 wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Das Bauwerk mit umfangreicher Ornamentik diente mehr der Repräsentation als der Verwaltung. Doch 1803 erfolgte die Säkularisation. Der letzte Ebracher Abt, Eugen Montag, musste ins Exil; er wählte den schönsten Amtshof, also Oberschwappach, als Alterssitz. An seinem 70. Geburtstag am 5. März 1811 segnete er das Zeitliche.

Krummstab und Ornat des letzten Ebracher Abtes. | Foto: B. Schneider
Krummstab und Ornat des letzten Ebracher Abtes.

Sämtliches Inventar und alle Figuren im Park wurden veräußert. 1906 kaufte die Familie von Dungern ein leeres Gebäude. 1985 übernahm es die Gemeinde Knetzgau zu einem symbolischen Preis und restaurierte es bis 1992 mit großer staatlicher Unterstützung.

Seither füllt der örtliche Kindergarten das einstige Verwalterhaus mit Leben. Im Pförtnerhaus befindet sich die Kräuterstube der Naturführerin und Heilpflanzenexpertin Elisabeth Schertel mit Sirups, Essenzen, Ölen, Essigen, Salzen, Aufstrichen, Pasten aus überwiegend eigener Herstellung. Die Remise ist jetzt Festhalle. Und im Westflügel betreibt Regina Beetz das Restaurant „Zeitlos“.

Bewirtung unter mächtigen, alten Bäumen im Schlosspark von Oberschwappach. Das Team des Restaurants „Zeitlos“ sorgt für das Wohl der Gäste. | Foto: B. Schneider
Bewirtung unter mächtigen, alten Bäumen im Schlosspark von Oberschwappach. Das Team des Restaurants „Zeitlos“ sorgt für das Wohl der Gäste. | Foto: B. Schneider

Selbst außerhalb Frankens haben viele Menschen schon den Ortsnamen Oberschwappach gehört: Der hiesige Spaßvogel Otti Schmelzer zählt zur Kernbesetzung der Fernsehfastnacht. Er bespielt in seinem Heimatdorf die „Weindunstbühne“ und fügt den zahlreichen Genüssen noch einen voller Humor hinzu.


Hilfreiche Kontakte

Wer auch unabhängig von der üblichen Öffnungszeit des Museums im Schloss Oberschwappach (sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr) eine Gruppenführung buchen möchte, meldet sich bitte im Rathaus unter der Telefonummer 09527 79-0 oder per E-Mail unter gemeinde@knetzgau.de.

Kräuterführungen sollten direkt mit Elisabeth Schertel von der „Kräuterstube am Schloss“ unter 09527 684 oder 0178 4802731 vereinbart werden.

Aktuelle Veranstaltungstermine sind im Internet zu finden unter oberschwappach.info.

Lauschiges Plätzchen zwischen Kräuterstube im ehemaligen Pörtnerhaus und dem Hauptportal des Ebracher Amtshofs in Oberschwappach. | Foto: B. Schneider
Lauschiges Plätzchen zwischen Kräuterstube im ehemaligen Pörtnerhaus und dem Hauptportal des Ebracher Amtshofs in Oberschwappach. | Foto: B. Schneider
Die schlossartige, barocke Zweiflügelanlage beherrscht das Ortsbild von Oberschappach. Dem wunderschönen Amtshof der Abtei Ebrach gegenüber steht die Dorfkirche St. Barbara. | Foto: B. Schneider
Die schlossartige, barocke Zweiflügelanlage beherrscht das Ortsbild von Oberschappach. Dem wunderschönen Amtshof der Abtei Ebrach gegenüber steht die Dorfkirche St. Barbara. | Foto: B. Schneider

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