Pionierleistungen, die sich weit über Franken hinaus entfalteten, wurden sowohl in Randersacker als auch in Theilheim erbracht. Ein europäischer Kulturweg mit einer Alliteration auf M verbindet die beiden Weinbaugemeinden.
Es handelt sich um einen rund 13 Kilometer langen Rundwanderweg abseits des verkehrsreichen Maintals dies- und jenseits des Jakobsbachs. Der offizielle Start- und Endpunkt befindet sich am Sportgelände in Theilheim. Der gilt auch für eine zweite, eine südliche Schleife nach Eibelstadt; hier dominiert der Buchstabe L: „Lützelquelle, Lindelbach und Lügensteine“.

Einsatz fürs Gemeinwesen
Bei der Aufzählung „Meefischli, Marsberg und Moneten“ erscheint es logisch, beim ersten und nicht beim letzten M anzufangen – also in Randersacker. Thematisch spannt die Tour einen Bogen von der Fischereitradition über das vor dem Zweiten Weltkrieg schon ausgewiesene Naturschutzgebiet Marsberg-Wachtelberg bis zu Kilian Wallrapp (1841-1921) aus Theilheim, dem Initiator des ersten bayerischen Darlehenskassenvereins. Die Vordenker in den beiden Dörfern stellten das Gemeinwesen oben an und waren vielleicht gerade deshalb mit ihren Ideen so erfolgreich.
In puncto Meefischli so viel vorweg: Die Randersackerer Gastronomie glänzt wirklich durch Vielfalt: Rind, Geflügel, Wild, … Aber mit „täglich frischem Fisch“ wirbt nur ein einziges Lokal.






In Randersacker ist der eigens ausgeschilderte „Gang durch den historischen Altort“ in den Kulturweg integriert. Rathaus, Gotteshaus, Zehnthof, Flecken (alter Marktplatz) und Mönchshof sind sehenswerte Stationen. Die Baugeschichte des Turms von St. Stephanus begann 1150 in der Romanik und erstreckte sich bis 1330 in der Gotik. Um 1600, als Julius Echter von Mespelbrunn als Würzburger Fürstbischof regierte, wurde das Langhaus erhöht. Die Altarbilder malte kein Geringerer als Oswald Ongers.
Echter ließ 1577 am Flecken das große Gebäude mit Stufengiebel errichten. Es diente als Rathaus und Schule, ist jetzt als Wohnhaus in Privatbesitz.

Seit 1451 verfügt Randersacker über Marktrecht. Jahrmärkte wurden in der Regel mit Heiligenfesten verbunden: Josephi-, Jakobi-, Martinimarkt. Im 19. Jahrhundert kam ein Fexermarkt dazu. Fexer sind bekanntlich Ableger von Pflanzen, hier insbesondere von Rebstöcken.
Ab 1640 war das Würzburger Domkapitel Nutznießer der Randersackerer Weinberge. Da bedurfte es eines repräsentativen Zehnthofs. Zu ihm gehörten Zehntscheune, Weinkeller, Stallungen und Gesindehaus. Der Bürgermeister bewohnte das 1717 fertiggestellte größte Haus.


Wichtige Impulse für den Weinbau
Im Zehnthof gab 1921 der Weinbauer und Ehrenbürger Ludwig Schmitt den Anstoß, eine der ersten Winzergenossenschaften Frankens aus der Taufe zu heben. Im Mönchshof am anderen Ende des Ortes hatte 85 Jahre zuvor der damals 32-jährige Sebastian Englerth eine neue Ära anbrechen lassen, indem er sich für eine sortenreine Bewirtschaftung einsetzte und daher eine eigene Rebschule betrieb. Er vermarktete den Wein außerdem nach Lagen und klebte als Erster Etiketten mit der Herkunftsbezeichnung auf die Flaschen. 1879 vermachte er seinen Besitz der Gemeinde mit der Maßgabe, ihn zumindest teilweise in einen von Klosterschwestern betreuten Kindergarten umzuwandeln. Heute beherbergt der Mönchshof ferner ein Steinhauermuseum, den Bauhof, das Sängerheim und Gruppen beider Konfessionen.
Jenes Einvernehmen besteht von alters her: Ab 1198 wirkten im Ort Zisterzienser aus Heilsbronn bei Ansbach. Als die Mönche des Mutterklosters zum Protestantismus übertraten, wechselten auch ihre Randersackerer Brüder die Gesinnung und der Markgraf von Ansbach verleibte sich den Mönchshof ein. Randersacker war von nun an rechts des Baches (heute Klosterstraße) katholisch und links evangelisch. Hier galt der gregorianische Kalender, dort der julianische – um zehn Tage verschoben. Angeblich verstanden sich beide Glaubensgemeinschaften so gut, dass sie alle kirchlichen Feste zweimal gemeinsam feierten.
Größtes Naturschutzgebiet im Raum Würzburg
Ein schmales Gässchen neben dem Kindergarten stößt auf den Euweg. Der führt schnurgerade hinauf zum Marsberg – zu einem herrlichen Ausblick nicht nur übers Maintal, sondern auch entgegengesetzt Richtung Gerbrunn. Die hiesigen ehemaligen Steinbrüche waren schon 1939 als Marsberg-Winterleitenödung mit steilen Felswänden und Schutthalden unter Naturschutz gestellt worden. 1984 wurde das Naturschutzgebiet auf 65 Hektar erweitert und somit zum größten im Landkreis Würzburg. Dank der Beweidung durch Schafe und Ziegen konnten die sich immer mehr ausbreitenden Gehölze zurückgedrängt werden und sich Raritäten wie die Küchenschelle ihren Platz zurückerobern.
Auf und ab windet sich der Wanderweg entlang von Obstwiesen und kurzen Waldabschnitten sowie durch ausgedehnte Rebflächen. „Komm’ auch du in meinen Weinberg!“, fordert eine Schriftzeile auf einem lebensgroßen Christusrelief auf. Was rundherum wächst und gedeiht, kann man unterwegs bestens überblicken von der Plattform eines zweistöckigen Turms, den Hedwig und Wolfgang Urlaub 2015 am Weinlehrpfad erbauten und allgemein zugänglich machten.


In Theilheim, wo – wie erwähnt – das genossenschaftliche Bankenwesen im damaligen Königreich Bayern seinen Ursprung hatte, lohnt sich ein Besuch der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer; eine Sandsteingrabplatte von 1496 soll in der Werkstatt Tilman Riemenschneiders gefertigt worden sein. Ebenso nicht alltäglich: Seit 1972 ist der frühere Theilheimer Friedhof zum Dorfpark umgewidmet.

Der Rückweg auf der anderen Seite des Mainseitentals verläuft über den Bergrücken. Kurz vor dem Abstieg noch ein wahrer Höhepunkt: der terroir f von Randersacker auf dem Sonnenstuhl. Infotafeln zeigen den vielfältigen geologischen Untergrund des dadurch geschmacklich sehr abwechslungsreichen Frankenweins. Eine Kostprobe sei zum guten Schluss jedem gegönnt.

„Marmor“ aus Muschelkalk
Die Steinhauer waren in Randersacker eine genauso bedeutsame Berufsgruppe wie die Winzer. Um 1000 wurden sie schon genannt. Die lokale Sonderausbildung des Oberen Muschelkalks ist ein dickbankiger Quaderkalk. Wegen seiner feinkristallinen Struktur eignet er sich bestens als Baustein. Mancher spricht vom „deutschen Marmor“. Aus Randersackerer Stein entstand das alte Würzburg, aber auch der Berliner Reichstag, das neue Leipziger Rathaus und das Nürnberger Stadttheater. In den Steinbrüchen waren in den 1950er-Jahren bis zu 600 Arbeiter tätig. Auch der Dombaumeister des Wiederaufbaus, Hans Schädel (1910-1996), entstammte einer Randersackerer Steinhauerfamilie.


| Text und Fotos: B. Schneider

