Frost nimmt der Schlehe die bitteren Gerbstoffe

Höchste Zeit, die Schlehen in Alkohol einzulegen, wenn bis Weihnachten noch ein aromatischer Likör mit dem markanten herbsauren Geschmack entstehen soll. Die bitteren Gerbstoffe der kugeligen Früchte von bis zu 25 Millimetern Durchmesser bauen sich enzymatisch allerdings erst durch Frosteinwirkung ab. Da die Schlehen heuer schon seit Ende August reif sind und geerntet werden können, die Temperaturen – zumindest im Flachland – aktuell noch nicht unter null Grad Celsius fallen, hilft nur, sie geputzt und gewaschen für einige Zeit ins Gefrierfach zu verbannen. Und gleich der nächste Tipp: Solange die Schlehen noch gefroren sind, ist es eine saubere Sache, ihre Haut mehrfach mit einer Stopfnadel zu durchstehen. So kann das Beste aus dem an Zucker, Fruchtsäure und Vitamin C reichen Fruchtfleisch leichter eine Symbiose mit dem Korn (oder alternativ Wodka) eingehen. Die Inhaltsstoffe wirken fiebersenkend, krampflösend, entzündungshemmend, magenstärkend und hautreinigend. Auch die Blüten sollen helfen; ein Aufguss (Tee) wird eingesetzt bei Durchfall, Blasen- und Nierenleiden sowie Magenbeschwerden.

Eine saubere Sache ist's, die Schlehen im gefrosteten Zustand anzupieksen. | Foto: B. Schneider
Eine saubere Sache ist’s, die Schlehen im gefrosteten Zustand anzupieksen. | Foto: B. Schneider

Das Wort Schlehe kommt aus dem Indogermanischen und bedeutet bläulich; sprachlich gibt es eine Verwandtschaft mit dem Slivovitz, dem Schnaps aus der blauen Pflaume. Wer jedenfalls keine dunkel gefärbten Finger haben möchte, sollte beim Verarbeiten der Schlehen Handschuhe tragen – beim Pflücken vom stacheligen Gehölz sogar feste Lederhandschuhe. Die flachwurzenden Sträucher bzw. mehrstämmigen Bäume heißen korrekt Schlehdorn, Heckendorn, Schwarzdorn oder Deutsche Akazie. Sie gehören zur Familie der Rosenholzgewächse und bringen Steinobst mit einem glatten Kern hervor. Sie gedeihen auf kargem Boden. Und sie bevorzugen sonnige Standorte an Weg- und Waldrändern; sie mögen die Gesellschaft von Wacholder, Berberitze und Haselnuss.

Der Schlehdorn zählt zu den Rosenholzgewächsen. | Foto: B. Schneider
Der Schlehdorn zählt zu den Rosenholzgewächsen. | Foto: B. Schneider

Wenn im März/April lange vor dem Laubaustrieb schon die weißen Blüten leuchten, verbreiten sie einen leichten Mandelduft. Dann wird der Schlehdorn seinem Ruf als Schmetterlingspflanze gerecht. Die Früchte ernähren später rund 20 Vogelarten. Wenn die Zweige vollhängen, kündigt dies einen strengen Winter an. Da kann es nicht schaden, sich hin und wieder ein Gläschen wärmendes „Schlehenfeuer“ zu gönnen …


Rezepte für Schlehenlikör gibt es unter anderem bei

 

Eine Antwort auf „Frost nimmt der Schlehe die bitteren Gerbstoffe“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.