Kartoffelchips eine Erfindung der Wiesthaler Ölmüller?!

Um Pfingsten herum lädt der Wiesthaler Mühlenverein für gewöhnlich zu einem Backofen- und Mühlenfest ein. Die Infektionsschutzbestimmungen lassen dies heuer freilich nicht zu, wenngleich rund um die Ruhmühle am Aubach reichlich Platz wäre – aber eben nicht im Mühlengebäude selbst, um die uralte Technik mit ausreichend Abstand zu anderen Interessierten zu besichtigen. 

Das Dorf Wiesthal im Spessart ging aus einer Glashüttensiedlung hervor. Außergewöhnlich war zum einen, dass der Ort auf zwei Herrschaften (Grafschaft Rieneck und Erzstift Mainz) aufgeteilt war, und zum anderen, dass trotz niedriger Bevölkerungszahl immerhin sechs Schlagmühlen für Getreide und Ölsamen mithilfe der Wasserkraft ihre Arbeit verrichteten. Mehl zu mahlen, ist ein geläufiges Müllerhandwerk. Aber Speiseöl zu raffinieren aus Leinsamen, Raps oder Bucheckern, ist keineswegs alltäglich. Man erzählt, die Wiesthaler hätten nebenher die Kartoffelchips erfunden: Um das pflanzliche Fett, beispielsweise aus den Früchten der Buche, genieß- und haltbar zu machen, hat es erhitzt und „gesprengt“ werden müssen. Dazu warf man Kartoffelscheiben in die siedende Flüssigkeit. Weil man in einer bitterarmen Gegend lebte, schnitt man die Erdäpfel hauchdünn auf, die sogleich kross und knackig wurden.

Intakt und als einzige vor Ort erhalten geblieben von den Wiesthaler Mühlen ist die seit rund 400 Jahren bestehende Ruhmühle in der Hockenruhe. Vor 25 Jahren hat Wiesthal eine Ölmühle als Kulturdenkmal abgegeben an das Fränkische Freilandmuseum Fladungen in der Rhön. Heute sollte dort der Deutsche Mühlentag begangen werden … Seit 11. Mai sind Tür und Tor des Museums wieder geöffnet für Gäste – täglich von 9 bis 18 Uhr. Aber es gibt noch Einschränkungen. So muss nach den für dieses Wochenende geplanten Vorführungen in den Museumsmühlen am kommenden Sonntag, 7. Juni 2020, der Anstich des ersten Fasses Museumsbier ausfallen. Das süffige Märzen war während des Corona-Lockdowns diesmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit eingebraut worden. Immerhin ist es in Flaschen im Museumsshop zu haben! Und bis auf Weiteres gilt: Der Museumseintrittspreis ist reduziert; zum Beispiel kostet die Familienkarte 8,50 statt 12 Euro.

| Fotos: B. Schneider

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