50 Jahre Wallfahrtswerk Mariabuchen

Zuweilen wird gelästert, der Priester wäre glücklich, wenn so viele Menschen in seine Gottesdienste kämen wie in die Konzerte seines Kantors. Beim einen wie beim anderen Anlass sind hingegen die Bankreihen dicht besetzt in der Wallfahrtskirche Mariabuchen zwischen Steinfeld und Steinbach bei Lohr am Main. Gebet und Musik locken zahlreiche Anhänger Mariens ins Buchental. Die sind, wie man heute sagt, hervorragend vernetzt. Ehe manche Mannschaften der Fußballbundesliga begannen, ihre treuesten Zuschauer in Fanclubs zu scharen und sie mit besonderen Benefits an sich zu binden, hatten die Förderer von Mariabuchen dieses Modell längst umgesetzt unter der Bezeichnung Wallfahrtswerk. Eine bayernweit einmalige 50-jährige Erfolgsgeschichte!

Not macht erfinderisch. 1969 betreuten Kapuziner den Wallfahrtsort auf dem Sporn des Buchenbergs. Die bauliche Substanz ihres Klosters war marode, und die Provinzleitung überlegte, die Seelsorge hier auch wegen Nachwuchsmangels nach rund 250 Jahren zu beenden. Jahrzehnte später übergaben sie polnischen Franziskaner-Minoriten die Verantwortung – und ein wohlbestelltes Haus.

Guardian Arno Fahrenschon hatte den genialen Einfall, diejenigen eng einzubinden, für die sich die Patres mit ganzer Kraft einsetzten: die Gläubigen selbst. Schnell schlossen sich über 3.000 Pilger dem neugegründeten Wallfahrtswerk an. Ziel und Zweck des gemeinnützigen Vereins sind, die Geistlichen praktisch sowie die Kirchen- bzw. Pflegestiftung beim Unterhalt des 1701 errichteten Gotteshauses und des Umgriffs finanziell zu unterstützen, damit Mariabuchen als Stätte der inneren Einkehr und Stärkung erhalten bleibt.

Die Klostergebäude konnten erneuert, die mächtigen Stützmauern instand gesetzt, der Kirchenvorplatz gepflastert sowie eine moderne Lautsprecheranlage und 1994 zum Jubiläum „600 Jahre Mariabuchen“ sogar Ersatz für die defekte Orgel beschafft werden. Das Wallfahrtswerk kümmert sich weiterhin um notwendige Reparaturen, hält alles sauber und trägt mit seinem Heizkostenzuschuss dazu bei, dass die Gottesdienstbesucher nicht frieren. Vor allem aber sorgt es für menschliche Wärme und ermutigende Begegnungen. Es lädt alle Jahre ein zum Krankentag – heuer am 12. Juli mit Unterhaltung durch die Band der Realschule Lohr –, zur Zusammenkunft pflegender Angehöriger und zum Wallfahrtsführertreffen sowie alle zwei Jahre zum Klosterfest; dem sechsköpfigen Vorstand und dem sogenannten Arbeitskreis sei dank. Letzterem gehört beispielsweise das Ehepaar Klothilde und Adolf Reichert an, das zudem regelmäßig gut besuchte Konzerte organisiert. Diakon Remi Rausch führt als fünfter Vorsitzender schon seit 1985 das Wallfahrtswerk. Aktuell bereiten ihm die Schäden an der Wallfahrtskirche große Sorgen. Die jüngste Kostenschätzung  für eine Außenrenovierung beläuft sich auf eine Viertelmillion Euro, die für eine Innenrenovierung auf mindestens das Vierfache. Die Diözese dämpft die Hoffnung auf einen Beginn vor 2025.

Benefizkonzerte tragen wesentlich dazu bei, damit das Wallfahrtswerk Mariabuchen seine Aufgaben erfüllen kann. | Fotos: B. Schneider

Feste Termine in Mariabuchen sind die sonntäglichen Maiandachten um 14:30 Uhr – beispielsweise mit Ordinariatsrat Thomas Renze (Fulda) am 19. Mai und Domvikar Paul Weismantel (Würzburg) am 26. Mai. Zum Abschluss des Marienmonats mit Lichterprozession am 31. Mai um 19:30 Uhr kommt Pfarrer Franz Kraft (Erlenbach/Main) in seine Heimat. Eine Festandacht mit Eucharistischer Prozession durch das Buchental findet am Pfingstmontag um 14:30 Uhr statt. Nochmals eine Prozession samt Lichterrosenkranz gibt es am zweiten Oktober-Sonntag um 17 Uhr. Fünf Wochen zuvor, am 7. September, wird in diesem Jahr Bischof em. Friedhelm Hofmann zur Heiligen Messe um 17:30 Uhr erwartet. Konzerte sind geplant am 28. Juli (Liedermacherin Eva-Maria Klöhr), 15. August (klassische Marienlieder mit Hart/Ebel/Huber), 22. September (Compagnia Trompetia), 20. Oktober (Harfinistin Anne Kox-Schindelin) und 26. Dezember (Familie Heilgenthal) – üblicherweise um 17 Uhr.

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