Spiel und Sport plus Kunst und Kirche

Erholung und Ferienspaß im und am größten Stausee Unterfrankens

Sommer während der Coronakrise: Wegen des Abstandsgebots ist die Besucherzahl in den Freibädern eingeschränkt, und vielerorts wird nur Einlass mit online gebuchten Eintrittskarten gewährt. Hingegen freier Zugang zu Unterfrankens größtem künstlichem und dennoch naturbelassenem Gewässer, dem Ellertshäuser See im sogenannten Schweinfurter OberLand. Die (kreis-)grenzüberschreitende Vermarktungsallianz wartet mit einer Fülle von Freizeitangeboten auf – Spiel und Sport ebenso wie Kunst und Kirche. Ganz neu ist beispielsweise ein Besinnungspfad rund um die katholische Kirche von Altenmünster, wo der selige Liborius Wagner fünf Jahre lang als Pfarrer wirkte.

Um die Kirche Mariä Himmelfahrt in Altenmünster führt der neue Liborius-Wagner-Besinnungspfad. Pfarrer Dr. Eugen Daigeler gibt den Besuchern Impulse anhand des Beispiels des Seligen.
Um die Kirche Mariä Himmelfahrt in Altenmünster führt der neue Liborius-Wagner-Besinnungspfad. Pfarrer Dr. Eugen Daigeler gibt den Besuchern Impulse anhand des Beispiels des Seligen.

Heuer sind es genau 50 Jahre her, dass der sich über 33 Hektar erstreckende Ellertshäuser See ins Eigentum des Freistaats Bayern überging. Seine maximale Ausdehnung beträgt 1.200 Meter, an der breitesten Stelle misst er 370 Meter. Das ergibt eine Uferlänge von fast sechs Kilometern. Trotz einer Tiefe bis 14 Metern heizt sich das Wasser im August bis 22 Grad auf: erfrischend. 

Zur Felderberegnung gebaut

Hier im Südwesten der Haßberge befand sich das ab 1480 nur noch als Wüstung bezeichnete ehemalige Dorf Ellertshausen – ursprünglich Eylicheshusen. Um das Jahr 1000 hatten wohl Benediktinermönche die Gegend urbar gemacht. Sie stammten aus dem Kloster Neustadt am Main und hatten in Altenmünster, wie der Name schon sagt, eine Niederlassung. Landesherren waren zunächst die Grafen von Henneberg-Aschach. Des Öfteren wechselte der Besitzer. Verwaltungsmäßig gehörte das Gebiet ab 1593 zum Amt Rotenstein beziehungsweise kurz danach bis heute zu Stadtlauringen. Es gilt als Frankens „Trockenplatte“. Deshalb war der Ellertshäuser See eigentlich angelegt worden, um die Felder der umliegenden Gemeinden zu bewässern. Im Zuge der Flurbereinigung war dazu der Wasser- und Bodenverband als Betreiber- und Nutzergemeinschaft ins Leben gerufen worden. Er begann vor 65 Jahren mit dem Bau des Staudamms. 1957/58 wurde das Becken geflutet. Aufbau und Unterhalt einer Beregungsanlage überstiegen die finanzielle Leistungsfähigkeit des Verbands, sodass der See nie seinen zunächst bestimmten Zweck erfüllte. Stattdessen „eroberten“ ihn Erholungssuchende anstelle ferner Strände jenseits der Alpen. Sogar eine Wochenendhaussiedlung wuchs zwischen viel Grün aus dem Boden. Gerade wird das frühere evangelische „Haus der Begegnung“ in eine moderne Eigentumswohnanlage umgewandelt. Auf einem 15 000 Quadratmeter umfassenden Campingplatz besteht die Möglichkeit, ohne gemauerte Wände zu übernachten. 

Der See reizt die Sinne und lockt zu allen Jahreszeiten. Das Umfeld pflegt der Bauhof des Marktes Stadtlauringen. 

Naturerlebnisweg rund herum

Es sind vor allem die älteren Semester, die gerne das Wasser auf dem Naturerlebnisweg mit Stationen zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt umrunden. Sie rasten auf den zahlreichen Bänken, beobachten die Segler und Windsurfer, wie sie kreuzen mit – im Fachjargon – Wenden und Halsen. In zwei Wassersportschulen kann der Nachwuchs die richtige Technik erlernen. 

Der Segelclub Ellertshäuser See – Schweinfurt e. V. unterhält ein eigenes Bootshaus, wo sich die Hobbykapitäne gerne mit einem gut gekühlten Silvaner oder Hugo belohnen. Sonnenanbeter von der Liegewiese schauen natürlich auch vorbei, während die Familien, die sich auf dem Wassererlebnisspielplatz und Beachvolleyballplatz tummeln, eher den Kiosk in unmittelbarer Nachbarschaft frequentieren. Ebenso das Restaurant mit seinen 80 Plätzen innen und gar 250 draußen im Garten.

Der Ellertshäuser See – ein Dorado für alle Arten von Wassersport.
Der Ellertshäuser See – ein Dorado für alle Arten von Wassersport.
Besonders beliebt bei den Familien: der Wassererlebnisspielplatz.
Besonders beliebt bei den Familien: der Wassererlebnisspielplatz.

Direkt bis zum schattigen Parkplatz vor der Tür der Gaststätte verkehrt bis zum 6. September an Sams-, Sonn- und Feiertagen der Seeshuttle, einer von acht Freizeitbussen in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld, die alle miteinander vernetzt sind. So ist beispielsweise der Umstieg vom Kreuzbergshuttle oder vom Bäderlandbus her möglich; Kurgäste aus Bad Brückenau, Bad Bocklet und Bad Kissingen fahren kostenlos mit. 

Aus dem nahen Rannungen kommen Gisela A. (Name geändert) und ihr Partner oft herüber, um Tintenfisch zu essen, den der griechische Wirt auf dem Grill zubereitet. Vor knapp 50 Jahren war Gisela das erste Mal am See. Freimütig berichtet sie: „Von meinem ersten Schwarm, der schon einen Führerschein hatte, ließ ich mit damals gerne hierher ‚entführen‘.“

Impulse für ein gelingendes Leben

Nicht nur Fahrzeuge aus KG und SW sowie HAS und NES reihen sich aneinander; oft zu sehen sind auch die Autokennzeichen FD und CO. Eine Anfahrt aus Hessen und Oberfranken, bloß um im kühlen Nass ein- oder vielleicht abzutauchen? Da geht mehr: kulturell und religiös. In letzterer Hinsicht war über Jahrzehnte „die“ Anlaufstelle der Pilgerhof in Altenmünster; spätestens seit Papst Paul VI. 1974 den hier rund dreieinhalb Jahrhunderte zuvor als Priester tätigen Liborius Wagner selig gesprochen hat. Wieso nur selig? Schließlich hat Liborius sich im Dreißigjährigen Krieg gegenüber den Schweden standhaft zum katholischen Glauben bekannt und ist den Tod eines Märtyrers gestorben. „Keineswegs stehen Selige eine Stufe unter Heiligen“, betont Dr. Eugen Daigeler, seit acht Jahren leitender Pfarrer der Stadtlauringer Pfarreiengemeinschaft, die selbstverständlich den Namen „Liborius Wagner“ trägt. Den Unterschied mache lediglich die Bekanntheit der Person – regional oder eben darüber hinaus. Dr. Daigeler freut sich, dass der fränkische Selige im Gegensatz zu manchem jungen Heiligen eine wahrhaft aktive Verehrung erfährt. Deshalb fühlt Pfarrer Daigeler sich auch als Wallfahrtsseelsorger. Und aus diesem Antrieb heraus hat er den erst im Mai fertiggestellten Besinnungspfad um die Altenmünsterer Kirche gestaltet: „Die Besucher sollen nicht einfach nur die Lebensdaten nachlesen können. Vielmehr sollen sie Antworten finden auf die Frage: Wie kann Liborius Wagner für uns heute Vorbild sein?“ Stichworte wie Treue & Dienst sowie Ringen & Standfestigkeit helfen dabei. 

Darstellung des seligen Liborius Wagner in der Pfarrkirche in Altenmünster.
Darstellung des seligen Liborius Wagner in der Pfarrkirche in Altenmünster.
Eine der Stationen des neuen Liborius-Wagner-Besinnungspfads.
Eine der Stationen des neuen Liborius-Wagner-Besinnungspfads.
Die Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Altenmünster. Der Unterbau stammt aus dem 13. Jahrhundert, angefügt wurde im 17. Jahrhundert der sogenannte Echter-Turm - im Baustil zur Zeit des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn.
Die Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Altenmünster. Der Unterbau stammt aus dem 13. Jahrhundert, angefügt wurde im 17. Jahrhundert der sogenannte Echter-Turm – im Baustil zur Zeit des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn.

Interessierte können sich jederzeit an Dr. Daigeler wenden. Die Ferien verbringt er diesmal in heimatlichen Gefilden, da er Corona-bedingt die vertraute Aushilfe aus Nigeria entbehren muss. Sein Pfarrhaus steht allerdings nicht in Altenmünster, sondern in Stadtlauringen. Auf der einen Seite des Marktplatzes erhebt sich das Gotteshaus als doppelschiffiges Gebäude, auf der anderen das Rathaus ebenfalls aus zwei Teilen bestehend – stilvoll renoviert und einfühlsam umgebaut. So ist es auch im Fall des Kunsthandwerkerhofs jenseits der Ortsdurchfahrt geschehen. Die mit kräftigen und zugleich harmonischen Farben arbeitenden Christine Blum (Ostheim) und Wolfgang Kohlhepp (Oberwerrn) stellen derzeit ihre Bilder aus. 

Die beiden Giebel der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer säumen in Stadtlauringen die obere Seite des Marktplatzes, die des Rathauses die untere.
Die beiden Giebel der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer säumen in Stadtlauringen die obere Seite des Marktplatzes, die des Rathauses die untere.
Mit modernen Werken wartet der Kunsthandwerkerhof in Stadtlauringen auf.
Mit modernen Werken wartet der Kunsthandwerkerhof in Stadtlauringen auf.

Jugendstreiche eines Genies

In diesem inspirierenden Ambiente hat außerdem Franziska Toleikis-Busching, die Tourismusbeauftragte der Marktgemeinde, ihr Büro. Nicht nur weil sie selbst in Oberlauringen daheim ist, empfiehlt sie, unbedingt ins „friedrich.rückert.POETikum“ am Marktplatz zu schauen und den etwa vier Kilometer langen Friedrich-Rückert-Rundweg um den Ort zu gehen. Der hochgeschätzte Dichter und Orientalist, Sprachgelehrte und Übersetzer verbrachte in Oberlauringen an der Schwelle zum 19. Jahrhundert seine Kindheit als Dorfamtmannsohn. Der zwölfjährige Simon, der selbstbewusst zuweilen während der sonn- und feiertäglichen Öffnungszeit von 13 bis 17 Uhr die Gäste ins „POETikum“ bittet, weiß unter anderem, dass der aufgeweckte Friedrich mit seinen Freunden Wilhelm und Georg Streiche spielte, bei denen die Pfauen des Truchseß von Wetzhausen Federn lassen mussten. 

In Oberlauringen verbrachte der geniale Schriftsteller und Orientalist Friedrich Rückert seine Kindheit. Am Marktplatz ist ihm ein „POETikum“ gewidmet.
In Oberlauringen verbrachte der geniale Schriftsteller und Orientalist Friedrich Rückert seine Kindheit. Am Marktplatz ist ihm ein „POETikum“ gewidmet.

Den Burschen hätte in ihrem Übermut etwas Abkühlung gutgetan. Aber in einen Ellertshäuser See konnten sie seinerzeit noch nicht springen. Aber gewiss sind sie auf Bäume geklettert. Gesichert und unter professioneller Anleitung können Jung und Alt im Kletterwald „Nordwärts“ oberhalb von See, Gastronomie und Parkplatz hoch hinaus. Der Trainer für therapeutisches Klettern, Armin Dietz, hat seit elf Jahren ein Stück des Gemeindewalds gepachtet und einen Parcours über anderthalb Kilometer bis auf 18 Meter Höhe aufgebaut – nach einem intelligenten Konzept: Niemand muss warten. Spaß fast ohne Grenzen; wie eben grundsätzlich am und im Ellertshäuser See.

Am 1,5 Kilometer langen Führungsseil geht es im Kletterwald „Nordwärts“ bis auf 18 Meter hinauf.
Am 1,5 Kilometer langen Führungsseil geht es im Kletterwald „Nordwärts“ bis auf 18 Meter hinauf.

| Fotos: N. Köhler (1), B. Schneider (11)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.