Tag der offenen Tür im historischen Eisenhammer Hasloch

„Electronic Production Equipment”, „Metal Components” und „Moulding Machines” sind die drei wesentlichen Geschäftsfelder des Kurtz-Ersa-Konzerns. An seinem Stammsitz in Hasloch (Lkr. Main-Spessart) hegt und pflegt der weltweit agierende Zulieferer für den Maschinenbau seinen historischen, nach wie vor funktionstüchtigen Eisenhammer. 2014 hat Kurtz Ersa ihn eingebunden bzw. ihn zum Herzstück eines neuen Museums gemacht. Anlässlich dessen vierten Geburtstags ist am Sonntag, 1. Juli 2018, der Eintritt zum Hammermuseum frei und im Eisenhammer zeigt Otto Hamann zwischen 10:00 und 16:00 Uhr am gewaltigen Aufwerf- oder Schwanzhammer detailgenaue Schmiedekunst. 

Im Spessart und Odenwald waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Eisenhämmer angesiedelt. Sie nutzten das reichlich vorhandene Holz und die Kraft des Wassers. Die Wende zum 20. Jahrhundert überdauerten nur zwei Eisenhämmer. Der Kurtz’sche Eisenhammer am Haselbach war bis vor wenigen Jahren der letzte und einzige in Deutschland, der handgeschmiedete Glockenklöppel lieferte.

Millimeterarbeit ist es, einen Glockenklöppel zu schimieden. Jeder Abschnitt ist genau vermaßt. | Foto: B. Schneider
Millimeterarbeit ist es, einen Glockenklöppel zu schimieden. Jeder Abschnitt ist genau vermaßt. | Foto: B. Schneider

Heute geschieht hier ausschließlich Schauschmieden. Gäste des Museums können dies vorab buchen unter info@hammer-museum.de oder 09342 805-459. Die Öffnungszeiten sind von März bis Oktober von Dienstag bis Sonntag und im November von Freitag bis Sonntag jeweils von 10:00 bis 16:00 Uhr. Von Dezember bis Februar herrscht Winterruhe; Vorführungen sind jedoch auch dann nach Anmeldung möglich.

In diesem Gebäude der Firma kurtz ersa in Hasloch befindet sich eine historische, voll funktionsfähige Hammerschmiede. | Foto: B. Schneider
In diesem Gebäude der Firma kurtz ersa in Hasloch befindet sich eine historische, voll funktionsfähige Hammerschmiede. | Foto: B. Schneider

Der Eisenhammer ist die Keimzelle des heute über 1.200 Beschäftigte zählenden Kurtz-Ersa-Konzerns. 1779 erbauten die Brüder Wenzel in Hasloch eine mit Wasserkraft betriebene Hammerschmiede. Ihr Eisenhammer war der erste dieser Art in der Grafschaft Wertheim; der Haselbach treibt zwei Arten von schweren Hämmern sowie ein Gebläse an. Im Jahr 1800 kaufte Johann Georg Kurtz zusammen mit seinem Bruder Johann Friedrich den Eisenhammer. Sie vergrößerten sowohl das Gebäude als auch den Wasserbau. Beides ist noch heute in sechster Generation in Familienbesitz.

1852 erweiterte die Familie Kurtz ihr Eisenwerk um eine Gießerei. Haushaltsgegenstände und landwirtschaftliche Maschinen wurden ebenso produziert wie Gussteile für die Eisenbahn. Diese erste Diversifizierung sicherte dem Betrieb das Überleben. Noch heute ist die Gießerei ein wichtiges Standbein.

Mit einer vergrößerten Gießerei und mit einer Maschinenfabrik wurde die „Joachim & Kurtz, Maschinen- und Apparatebaugesellschaft” im 20. Jahrhundert überregional tätig. Ein weiterer Entwicklungsschub kam durch die ERSA-Löttechnik. Die Produktvielfalt wächst bisher kontinuierlich und nachhaltig – und somit der gesamte Konzern. Er schreibt die Industriegeschichte fort. Durch seinen historischen Eisenhammer ist die rund 240-jährige Tradition stets gegenwärtig.


Vormerken!

Vom 15. bis 19. August 2018 sind Lehrlinge und Wandergesellen zu einem Jungschmiedetreffen auf den Eisenhammer nach Hasloch eingeladen. Gemeinsam sollen sie ein 2,5-D-Relief des Aufwerfhammers fertigen. Nach Fertigstellung soll es an der Außenseite des Hammermuseums befestigt und hinterleuchtet werden. Schlafmöglichkeiten für die Teilnehmer gibt es direkt im Eisenhammer, Kost und Logis sind frei. Anmeldeschluss ist am 12. August 2018. Mehr unter www.hammer-museum.de.

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