herman de vries goldenen Worte

Der Künstler und Philosoph herman de vries hat „spuren im nördlichen steigerwald“ hinterlassen: goldene Worte. So genannt, weil er knappe Gedanken in Stein gemeißelt und die Lettern mit Blattgold überzogen hat. Entsprechende Felsbrocken, also Findlinge, sind im weiten Umkreis von de vries Wohnort Eschenau (Landkreis Haßberge) zu finden. Anlässlich seines 75. Geburtstags im Jahr 2006 machte er die beschrifteten Steine den Menschen der Region zum Geschenk. Zuletzt fügte er 2019 „spur nr. 28“ am Euerberg bei Fabrikschleichach hinzu: joy – nach dem Motto: Das Leben wird genährt durch Freude; ohne sie wäre es unvollkommen. 

Der betreffende Findling befindet sich unmittelbar am Forstpfad, der von der Bergspitze auf der Westseite abwärts führt. Kurz darauf ist linker Hand die ebenso vergoldete Aufschrift zu entdecken: ambulo ergo sum. Auf Deutsch: Ich gehe, also bin ich. Abgeleitet ist diese Erkenntnis von René Descartes (1596–1650) berühmten Ausspruch: cogito ergo sum – ich denke, also bin ich. Im Disput argumentierte ein anderer Philosoph, Pierre Gassendi (1592–1655), das Denken folge sinnlichen und körperlichen Erfahrungen. Der heuer 90 werdende herman de vries beschreibt besagten Vorgang: „Ich sehe es, ich rieche es, ich schmecke es, ich höre es, ich fühle es, ich bin es, ich atme es.“

|  Fotos: B. Schneider

Ursprung des Fränkischen Theaters in Schloss Wetzhausen

Schloss Wetzhausen ist Stammsitz der Freiherren Truchseß von und zu Wetzhausen. | Foto: B. Schneider

Freie Sicht auf Schloss Wetzhausen ist selten. Dichter Baumbewuchs beziehungsweise dessen Blattwerk versperrt die meiste Zeit des Jahres den Blick. Das frühere Wasserschloss ist der Stammsitz der Freiherren und evangelischen Reichsritter Truchseß von und zu Wetzhausen. Das gleichnamige unterfränkische Dorf gehört heute zur Marktgemeinde Stadtlauringen im Landkreis Schweinfurt.

Die Grundmauern des Schlosses Wetzhausen stammen von 1231. Die vier Stockwerke darüber wurden ab 1569 neu errichtet. Das Gebäude setzt sich aus vier Flügeln von jeweils 30 Metern zusammen. Es birgt 70 Räume. So summiert sich – zumindest rechnerisch – die Wohnfläche auf rund 2000 Quadratmeter. Es herrscht großer Sanierungs- und Renovierungsbedarf. 

Von 1948 bis 1955 hatte sich hier eine Künstlergruppe um Oskar Ballhaus und  Lena Hutter eingemietet; der später in Hollywood erfolgreiche Kameramann Michael Ballhaus und seine Schwester Nele, die mit dem Kinderbuchautor Paul Maar verheiratet ist, wuchsen hier auf. Das Ehepaar Ballhaus/Hutter gründete das „Fränkische Theater“, das seine Heimat schließlich im nahen Schloss Maßbach fand. 

|  Foto: B. Schneider

Asterix uff Meefränggisch – dodal subber!?

Am 1. April (Gründonnerstag) zelebrierte der heimische Buchhandel den Verkaufsstart des sechsten Asterix-Bands „uff Meefränggisch“: „Asterix un die Schbessarträuber“. Danke für die Stimmungsaufhellung über die wegen Corona kontaktbeschränkten Osterfeiertage 2021! Dem als Sprachwissenschaftlern mit hohen akademischen Weihen ausgestattetem Autorenteam Kai Fraass und Gunther Schunk ist einmal mehr gelungen, überaus unterhaltsam herrliche Eigenwilligkeiten der Mundart der Ureinwohner „von Wörzburch un drumrum“ zu vermitteln. Mit dem zeitlichen Abstand von 14 Tagen sowie nach zweimaligem Lesen und mehrmaligem Durchblättern seien allerdings auch ein paar kritische Anmerkungen beziehungsweise Fragen erlaubt. Immerhin taxiert Egmont, Berlin, seinen 48-seitigen Hardcover-Comic mit 14 Euro in einer gehobenen Preisklasse; da überlegt man genau, ob man sich das Vergnügen leisten kann.

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500 Jahre Wallfahrt zu Maria auf dem Ehrenberg in der Rhön

Das Gnadenbild der barmherzigen Gottesmutter Maria auf dem Ehrenberg in der Rhön. | Foto: B. Schneider
Maria Ehrenberg aus der Vogelperspektive. | Luftbild: Bundeswehr
Maria Ehrenberg aus der Vogelperspektive. | Luftbild: Bundeswehr
Achtung! Jenseits der Schranke wird scharf geschossen. Deshalb ist es nur zu festen Zeiten möglich, die Mutter der Barmherzigkeit auf dem Maria Ehrenberg aufzusuchen. | Foto: B. Schneider
Achtung! Jenseits der Schranke wird scharf geschossen. Deshalb ist es nur zu festen Zeiten möglich, die Mutter der Barmherzigkeit auf dem Maria Ehrenberg aufzusuchen. | Foto: B. Schneider

Die Bundeswehr wacht über die Pilgerstätte auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken. Und jede Menge zivile Freunde der Mutter der Barmherzigkeit engagieren sich für den Erhalt des Heiligtums in der Rhön; sie kommen aus verschiedenen Bundesländern und Diözesen. Von daher ist es gerne mehrdeutig zu verstehen, die Wallfahrt zu Maria auf dem Ehrenberg sei bestens gesichert. Das 500. Jubiläum heuer kann aus Infektionsschutzgründen zwar nicht so groß begangen werden, wie es dem Anlass gebührt, doch darf dank eines strikten Hygienekonzepts von Anfang Mai bis Ende Oktober sonn- und feiertags (außer Christi Himmelfahrt und Fronleichnam) immer um 10:30 Uhr ein Gottesdienst gefeiert werden.

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Zwei Kreuzwege zu einem Ziel

Am Ende zweier völlig unterschiedlicher Passionsdarstellungen in der Gochsheimer Pfarrkirche steht jeweils die Auferstehung als 15. Station.

In Gochsheim gibt’s die Linken und die Rechten. Das hat nichts mit verschiedenen politischen Ausrichtungen zu tun. Beide „Fraktionen“ folgen Jesus: Die einen fühlen sich mehr berührt von seinem Leiden und Sterben, wie es an der linken Wand der Pfarrkirche St. Matthias der fränkische Bildhauer Max Walter mit Bronzereliefs dargestellt hat; die anderen tendieren auf die rechte Seite des voluminösen Gotteshauses, wo der international gefeierte Egino Weinert den Erlöser in farbintensiver Emailletechnik auf quadratischen Tafeln in Szene gesetzt hat. Die Stile könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber beide Künstler waren sich einig darin, sich nicht mit den üblichen 14 Stationen der Passion zu begnügen. Sie beschlossen ihren Zyklus jeweils mit einem sich in der Form vom Rest abhebenden Motiv – mit der Vollendung an Ostern, mit der Auferstehung. 

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Fast-nicht-Treiben

Burgblick aus dem Saaletal.

Die „Fastnacht in Franken“ gilt nachweislich einem Millionenpublikum als Inbegriff des närrischen Frohsinns. Die gleichnamige Prunksitzung aus den Veitshöchheimer Mainfrankensälen mauserte sich zur erfolgreichsten Sendung des Bayerischen Fernsehens. 1987 übertrug es Büttenreden und Gardetänze erstmals live. Diese Zeitspanne wirkt wie ein Wimpernschlag im Vergleich dazu, wie lange der organisierte Schabernack im Sinntal nördlich von Gemünden schon getrieben wird. „Die Göikel“ aus Rieneck berufen sich auf ein Ereignis des Jahres 1521 und wollten heuer zur 500. Wiederkehr einen Narrenzug nach historischem Vorbild veranstalten. Das Coronavirus machte die hochfliegenden Pläne zunichte. „Fasenacht“ – so die örtliche Sprechweise – in traditioneller Form ist „fast nicht“ möglich. Trotzdem bereitet es Spaß, das von einer trutzigen Burg bekrönte Städtchen aufzusuchen.

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Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu aus dem Kloster Oberzell helfen benachteiligten Frauen

Kloster Oberzell bei Würzburg. | Foto: B. Schneider

Die gewählte Fotoperspektive täuscht: Kloster Oberzell ist zu Land viel leichter zu erreichen als zu Wasser. Eine hohe Mauer sowie ein gut frequentierter Fuß- und Radweg trennt die Anlage vom Main. Dahinter verläuft eine unrühmliche Bekanntheit erlangte Straßenverbindung: der sogenannte Zeller Bock, ein Nadelöhr am westlichen Würzburger Stadteingang.

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